Neues Buch: Matthias Becher porträtiert Otto I.

+
Otto der Große und seine Gattin Editha im Dom in Magdeburg ▪

Drei Könige nennt man in Deutschland „den Großen“. Karl I., der das mittelalterliche Kaisertum begründete. Friedrich II., der Preußen zur Großmacht beförderte. Und Otto I., den Sieger über die Ungarn. Sein Geburtstag am 23. November 912 jährt sich in diesem Jahr zum 1100. Mal, seine Kaiserkrönung zum 1050. Mal. Der Bonner Mediävist Matthias Becher hat Otto eine Biografie gewidmet. Von Jörn Funke

Becher beginnt seine Darstellung mit der Kaiserkrönung in Rom am 2. Februar 962, er beschreibt den festlichen Einzug in den alten Petersdom und stellt die Reichskrone vor, die heute in der Wiener Hofburg ausgestellt ist und die vielleicht schon für Otto angefertigt wurde. Es war die erste Kaiserkrönung seit mehr als 40 Jahren – und sie fand bei zeitgenössischen Chronisten, so schreibt Becher, nur geringe Resonanz. Für Widukind von Corvey, den wichtigsten Schreiber seiner Zeit, war Otto bereits Kaiser, seit er die Ungarn am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg besiegt hatte.

Der unerwartete Sieg über die Invasoren ist bis heute das Ereignis, das am deutlichsten mit Otto verbunden wird. Becher holt weit aus, um die Leistungen des Herrschers zu würdigen. Von Deutschen war im 10. Jahrhundert noch keine Rede. Otto regierte das Ostfrankenreich, das aus fünf Stammesprovinzen bestand: Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Lotharingien. Sein Vater Heinrich I. hatte das sächsische Geschlecht der Liudolfinger an die Macht gebracht, Otto gelang es, sich nach Heinrichs Tod 936 zum Nachfolger wählen und in Aachen krönen zu lassen.

Ottos überliefertes Wirken war meist kriegerischer Natur: Er kämpfte gegen die Westfranken, die Slawen, Ungarn und aufständische Fürsten, sogar gegen seinen Sohn Liudolf, und es gelang ihm, sein Reich um Italien zu erweitern und zu konsolidieren. 973 starb er, im Dom zu Magdeburg ist er begraben.

Aber warum ist Otto nun „der Große“? Der Beiname, so konstatiert Becher nüchtern, diente wohl zuerst der Unterscheidung zu seinem Nachfolger Otto II. Erst der Bischof und Chronist Otto von Freising stellte Otto I. Mitte des 12. Jahrhunderts auf eine Stufe mit Karl dem Großen. Otto sei „vielleicht der erste König der Deutschen genannt worden“, weil er die Kaiserwürde ins Land zurückgebracht habe – ein mittelalterlicher Kaiser als Zeuge einer deutschen Nationalidentität, die es zu seinen Lebzeiten nicht gab.

Matthias Becher: Otto der Große. Kaiser und Reich. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck: München. 332 S., 24,95 Euro.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare