Neue CD: Tinariwen: Tassili

Von Ralf Stiftel ▪ Tinariwen: Tassili (V2/coop/Universal). Sie singen von der schmerzerfüllten Zeit, die sie durchleben, von der eifersüchtigen Wüste und der verlorenen Heimat.

Die Gruppe Tinariwen hat in den letzten Jahren internationalen Ruhm gewonnen, ungewöhnlich für traditionell lebende Tuareg aus der Sahara. Die Mitglieder wurden einst in libyschen Militärlagern ausgebildet – für den Widerstandskampf zum Beispiel in Mali. Schon lange aber haben sie Gewehre gegen Gitarren getauscht. Ihre Lieder sind gleichwohl politisch. Und ihre Vergangenheit hat sie eingeholt bei der Produktion des aktuellen Albums „Tassili“. Ihr Lager in Mali war nicht mehr sicher, so dass sie nach Algerien auswichen. Darum auch hört man hier nur wenig elektrische Gitarren. Was ihrer Musik nicht schadete: Sie gehen zurück zu ihren Wurzeln. Und der magische Groove, die machtvollen Rhythmen, die kunstvoll ineinander geflochtenen Gitarrenlinien in „Tilladen Osamnat“ brauchen nichts weiter. Auf drei Titeln musizieren Tiraniwen mit Gästen. „Tenere Taqhim Tossam“ mit Sänger Tunde Adebimpe und Gitarrist Kyp Malone von TV On The Radio schlägt am meisten die Brücke zur westlichen Popmusik, hier sind auch einige Zeilen in Englisch gesungen. Beim getragenen Blues „Ya Messinagh“ schmiegen sich die Bläsersätze der Dirty Dozen Brass Band an die erdigen Rhythmen und kehligen Gesänge, eine grandiose Synthese aus New-Orleans-Sumpf und Sahara-Wüste.

Live zu erleben in der Kölner Philharmonie (6.10.) und dem Kesselhaus Berlin (21.10.).

Quelle: wa.de

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