Neue CD: Stefano Bollani: Joy In Spite Of Everything

Stefano Bollani: Joy In Spite Of Everything

Stefano Bollani: Joy In Spite Of Everything (ECM). Stefano Bollani beherrscht einfach alles. Mit dem luftigen Calypso „Easy Healing“ tänzelt der 1972 in Mailand geborene Pianist in seine aktuelle CD.

Dazu singt Mark Turner auf dem Tenorsaxophon das Lied vom Leichtsinn, wobei er in den tiefen Registern die Atemspannung senkt, so dass der Ton rauchig wird, dann wieder schwingt er sich zu expressiven Kantilenen auf. Bill Frisell hat ein beschwingtes Solo, und die Dänen Jesper Vodilsen (Bass) und Morten Lund (Drums) klingen überhaupt nicht nordisch-cool.

Bollani legt in „Vale“ jene melancholische Nachdenklichkeit auf, die so manches ECM-Meisterwerk der 1970er auszeichnete, mit geradezu architektonisch durchgeplanten Melodiebögen und einem Ensembleklang, der jeden Basston, jedes Beckenzischen atmen lässt. Es ist keine Quintett-Platte, Bollani probiert unterschiedliche Formate aus, vom Duo „Teddy“ mit Frisell, einer Hommage an den Swingvirtuosen Teddy Wilson, über Trios und Quartett-Varianten bis zum vollen Ensemble. Dabei lässt er keinen Wunsch des Jazzfans unerfüllt.

Bollani hat oft Vorbilder zitiert und persifliert. Hier verwandelt er sich die Tradition sehr ernsthaft an, ohne dass dies die Spiellust trübt. „No Pope No Party“ zum Beispiel hat ein Thema, dessen schräge Intervalle an Monk erinnern. Aber das Quintett spielt das eher im Stil kühler Westcoast-Bands durch, auch rhythmisch klingt da Brubeck an. Swing, Postbop, Neoromantik – Bollani verschmilzt alles zu einer sehr persönlichen, melodiebetonten Musik, die sich unverlierbar ins Ohr schmeichelt. - Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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