Neue CD: Rock Meets Classic 2

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Rock meets Classic 2

V.A.: Rock meets Classic 2 (Universal). Wer hört sich das eigentlich an? Das Gitarrenriff bei „School’s Out“ hingeschludert wie von einer Cover-Band. Statt von Alice Coopers düster-scharfer Stimme erklingt die Melodie als qualliges Streichergesäusel.

Bei „Smoke On The Water“ hört man das City Of Prague Philharmonic Orchestra über weite Strecken gar nicht. „Rock meets Classic 2“ ist Musik für Menschen, die von Rock noch weniger verstehen als von Klassik. Wie sonst verirrten sich hierher Neueinspielungen von „Über sieben Brücken musst du gehn“ und Andreas Bourranis „Auf uns“? Die meisten Aufnahmen rocken nicht, sondern mischen grobschlächtige Rhythmen mit undifferenzierten Streicher- und Bläserklängen. Dabei könnte das ein Thema sein, Unterhaltungsmusik sinfonisch zu arrangieren, um so das Gehör für neue Klänge zu schärfen. Einige wenige Titel dieser Zusammenstellung gehen diesen Weg. Da wird in der Interpretation des London Symphony Orchestra „Another Brick In The Wall“ zu einem düster-folkloristischen Pastiche, das an Bartok oder Schostakowitsch erinnert (wenn nicht gerade das Thema gespielt wird). Mit Stargeiger Nigel Kennedy als Solist macht das Prague Symphony Orchestra aus „Light My Fire“ von den Doors ein luftiges Hörbild zwischen Postromantik und Impressionismus. So fremd sind Rock und Klassik sich ja nicht. Bei „A Whiter Shade Of Pale“ bediente sich Gary Brooker von Procol Harum bei Bachs Air. Und die „Fanfare for a Common Man“ von Emerson, Lake and Palmer ist eine Rockversion von Aaron Coplands Komposition. Das Royal Philharmonic Orchestra hätte also eigentlich einfach die Originale spielen können, statt uninspiriert daherzurumpeln. Darum eine dringende Warnung: Garantiert eins der drei überflüssigsten Alben des Jahres. - Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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