Neue CD: Nguên Lê: Songs Of Freedom

Von Ralf Stiftel ▪ Nguyên Lê: Songs Of Freedom (Act/Edel). Erst singt Dhafer Youssef einige gutturale Tongirlanden. Dazu kommen Gitarrentöne, klar, fast wie bei einer Laute. Doch nach einer knappen Minute wechselt die Stimmung.

Nguyên Lê spielt die E-Gitarre verzerrt, legt viele Obertöne in den markanten Lauf des alten Titels von Led Zeppelin: „Black Dog“ hat die Schärfe des Hard Rock von 1970, aber dazu kommen Ethnogrooves, komplexe Akkordfolgen am Vibraphon und eine unglaubliche Gitarre. Immer wenn der Hörer glaubt, jetzt ist er am Limit, legt Lê noch eins drauf. Und Youssef kopiert nicht den Gesang von Robert Plant, sondern improvisiert ein furioses textloses Wüstenhundgeheul. Das Album des vietnamesisch-französischen Gitarristen setzt die „Songs Of Freedom“ im goldenen Zeitalter von Rock und Pop an, an der Wende der 60er zu den 70er Jahren, mit Protagonisten wie den Beatles, Janis Joplin, Stevie Wonder, Bob Marley. Dabei behandelt die vorzügliche Band das Material mit Respekt, es geht hier nicht um Dekonstruktion, sondern um Weiterdenken. Wonders „I Wish“ wird mit orientalischen Grooves unterlegt, ehe der Sänger David Linx das Thema vorträgt. Bei „Whole Lotta Love“, noch ein Klassiker von Led Zeppelin, pulsieren unter dem Gitarrenriff Tabla-Schläge, und Youn Sun Nah steht Plant an Kraft in nichts nach. Am Anfang schon beweist die koreanische Sängerin im Beatles-Song „Eleanor Rigby“ ihre Sensibilität. Die Klangfarben und Metren asiatischer Musikwelten, das freie Denken des Jazz und höchste instrumentale Virtuosität verbinden sich hier mit den Klassikern der Rockgeschichte. Schon jetzt eine der Platten des Jahres.

Quelle: wa.de

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