Neue CD: Miles Davis at Newport 1955-1975

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Miles Davis at Newport 1955-1975

Miles Davis at Newport 1955-1975: The Bootleg Series Vol. 4 (Columbia/Sony). Wer noch den träg verschleppten Groove von „All Blues“ im Ohr hat, der muss umdenken. An jenem 4. Juli 1966 warfen Miles Davis und sein Quintett beim Jazzfestival in Newport den Turbo an.

Sie rocken den Jazzklassiker, als gäbe es kein Morgen. Und ein Jahr später bei der klassischen Ballade „Round Midnight“ gönnt sich Davis gerade drei Minuten Trompeten-Melancholie. Aber dann gibt die Band, angetrieben von Schlagzeuger Tony Williams, Vollgas, befeuert die aufgeheizten Saxophon-Linien von Wayne Shorter. Dies ist schon die vierte Folge der „Bootleg Series“. Bootleg Recordings waren Platten, die heimlich von Konzertbesuchern aufgenommen waren. Hier aber griffen die Produzenten auf eigene Aufnahmen zurück – oder auf solche von Radiostationen. George Wein, selbst Musiker, hatte das Newport Festival 1954 gegründet. Es besteht noch heute, ist längst eine Institution, und Wein ging damit auf Tour. Darum entstanden zwei der Konzertmitschnitte dieser CD auch in Europa. Miles Davis war schon in den 1950er Jahren ein Star. Diese Vier-CD-Box bietet Mitschnitte von acht Auftritten zwischen 1955 und 1975. Das meiste davon war bislang unveröffentlicht, darunter die beiden Auftritte des klassischen Quintetts der 1960er Jahre mit Shorter, Williams, Herbie Hancock und Ron Carter, und die Band zeigt sich dabei in bester Spiellaune, inspiriert und kraftvoll.

Begonnen hatte es weniger glücklich: Bei seinem Debüt 1955 hatte Davis keine feste Band. So spielte er in einer losen All-Star-Formation u.a. mit Thelonious Monk (p) und Gerry Mulligan (bars) Kompositionen von Monk und Charlie Parker.

Man hört auf diesen CDs einige der Musiker, die in Davis’ Band zu Weltstars wurden, wie die Pianisten Chick Corea und Keith Jarrett und den Schlagzeuger Jack DeJohnette. Und man bekommt einen Querschnitt durch das Schaffen des Meisters von seiner Cool-Ära bis hin zu den schier endlosen Jazzrock-Ekstasen. - Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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