Neue CD: Keith Jarrett: Sleeper

Keith Jarrett: Sleeper (ECM). Diese Platte ruhte drei Jahrzehnte lang in den Archiven, und man fragt sich, warum. Am 16.

April 1979 spielte der US-Pianist Keith Jarrett live in Tokyo mit seinem damaligen europäischen Quartett, dem Saxophonisten Jan Garbarek, Palle Danielsson am Bass und Jon Christensen am Schlagzeug. Die sieben Tracks auf dieser Doppel-CD zeigen die Musiker in Bestform. Der damals 33-Jährige war bereits mit dem „Köln Concert“ zum Star der Jazzszene aufgestiegen, hier aber knüpft er eher an seine Zeit bei Miles Davis an mit ekstatischen, stark rhythmisch akzentuierten Improvisationen. Schon das Auftaktstück „Personal Mountains“ treibt energievoll voran, das Rhythmusduo gibt alles. Vor allem Garbarek pflegt noch nicht den ätherischen Schönklang, der heute sein Markenzeichen ist, sondern erweist sich als energisch zupackender Musiker in der Coltrane-Tradition, erdig, rau, mit ekstatischen Überblas-Momenten. Manchmal klingt er geradezu soulig. Jarrett zeigt den flinkfingrigen, technisch vollendeten Virtuosen. Natürlich hört man ihn mitsummen und mitsingen, zum Beispiel im stellenweise klassisch anmutenden Solo der Ballade „Innocence“. „So Tender“ swingt enorm, Jarrett folgt da ganz dem rückwärtsgewandten Gestus der Post-Bop-Aufnahmen zum Beispiel von Herbie Hancocks V.S.O.P. „Oasis“ hingegen beginnt mit einer langen Percussion-Passage, eine pseudoafrikanische Rhythmusorgie, die dann in metrisch nicht festgelegt Unisono-Linien von Sax und Piano münden. Ein Schatzfund! ▪ Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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