Neue CD: Irit Dekel & Eldad Zitrin: Last Of Songs

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Irit Dekel & Eldad Zitrin: Last Of Songs

Irit Dekel & Eldad Zitrin: Last Of Songs. Selten hat jemand fröhlicher gesungen, dass er mit der Liebe fertig sei, als die Everly Brothers in „Bye Bye Love“. Eigentlich müsste das Lied doch ganz anders klingen, tief traurig, vielleicht sogar depressiv. Irit Dekel und Eldad Zitrin nehmen sich Zeit, lassen pathetisch die Streicher auflaufen, beschwören mit Blechbläsern gar einen tragischen Tristan-Sound.

Und dann lässt Irit Dekel uns spüren, dass hier jemand leidet. Die Sängerin und der Multiinstrumentalist aus Tel Aviv deuten zwölf klassische Songs von der Jazz-Ära bis zu Bette Midlers „The Rose“ um, und da wird eben aus dem Liedchen eine elektronisch-sinfonische Miniatur.

Die musikalische Dekonstruktion hat Methode. Cab Calloways mitreißender Swing-Hit „Blues In The Night“ wird runtergekühlt zu einem Elektro-Pop mit dem Dandy-Faktor eines Bryan Ferry. Jobims Bossa-Nova-Titel „No More Blues“ (Chega de Saudade) beginnt hier wie eine Kopie von Grace Jones’ Piazzolla-Umdeutung „I’ve Seen That Face Before“, zickiger Techno-Tango.

Zu den Geheimnissen dieses Projekts gehört, wie die Musiker bei aller Freude an Verfremdung manches erkennbar lassen. Irit Dekel singt „Willow Weep For Me“ mit den typischen Betonungen Billie Holidays. Dem Musical-Song „Get Happy“ verpassen sie mit Flöten ein Balkan-Flair und eine Melancholie, die dem Titel Hohn spricht. Leider gibt es dieses Album nur digital bei iTunes. Die gute Nachricht: Man kann die Songs auch online hören, und die Originale sind dazugestellt (www.lastofsongs.com). Und sie kommen nach Deutschland, u.a. 19.5. Mainz (Weihergarten), 3.6. Bremen (Sendesaal). - Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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