Neue CD: Hannes Wader: Nah dran

Hannes Wader: Nah dran (Mercury/Universal). Mit 70 darf man sich singend wundern: „Dass wir so lang leben dürfen, Schnäpse kippen, Rotwein schlürfen, feurig würzen, Biere stürzen, prassend unser Leben kürzen...“ Hannes Wader legt mit „Nah dran“ ein altersweises und unterhaltsames Album vor, passend zu seinem Geburtstag vor wenigen Wochen.

Das Eröffnungslied hat etwas von einer Lebensbilanz, aber abgeschlossen hat Wader lang noch nicht. Mit einigen großartigen Musikern zieht er wieder die Register seiner Liedkunst. Da ist der Titelsong ein Reggae über einen Mann, der die Frauen glücklos liebt, und wer kann das so ruppig und elegant reimen wie er: „Eines Nachts um vier am Telefon ließ sie mich wissen, sie hätte jetzt die Schnauze voll, ich sollte mich verpissen.“ Jacques Preverts klassischem Chanson „Les feuilles mortes“ verpasst er einen schönen neuen Text. „Der Drachen“ bringt Kindheitserinnerungen, und in „Boulevard St. Martin“ singt er zu einem Musette-Walzer dem Widerstandskämpfer Peter Gingold eine Hommage. Politisch ist Wader geblieben, aber unverkrampft dabei. Man hört's im aufklärerischen Verbraucher-Song „Mahlzeit“, wo er uns zu schmeichelnder Country-Gitarre den Appetit auf Krabben, argentinische Steaks und Schnitzel verdirbt. Seine Stimme hat noch die Beweglichkeit früherer Jahre. Wer könnte glaubwürdiger als er das „Lied vom Tod“ anstimmen, aber optimistisch: „Nein, ich will euch noch nicht verlassen.“ ▪ Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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