Neue Ausstellungsreihe „Intermezzo“ im Kunstmuseum Ahlen

Geisterhafte Figuren: Die Künstlerin Jutta Engelage vor ihrer „Schattenwand“ (2006–2012) in Ahlen. ▪ Foto Gay

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Die Figuren zerfließen im Wasser. Ihre Konturen lösen sich auf, bilden neue Formen. Die ausdrucksstarken Fotografien von Jutta Engelage dokumentieren Bewegung und stehen für das neue Ausstellungskonzept des Kunstmuseums Ahlen. Unter dem Titel „Intermezzo“ werden von nun an jeden Sommer verschiedene Positionen im Dialog mit Werken des eigenen Bestands treten.

In den letzten sechs Jahren hat das Kunstmuseum rund 800 Werke angesammelt – Schenkungen, Dauerleihgaben, Ankäufe. Das Ahlener Museum greift in der besucherschwächeren Jahreszeit auf seinen Fundus zurück. Das ist kostengünstig und durchaus sehenswert. So belegt die Auswahl von Werken Adolf Luthers (1912–1990), einem der Hauptvertreter der kinetischen Kunst und Optical Art, die spannende Entwicklung des Künstlers, beginnend mit frühen Materialbildern über die Glasarbeit „Lichttropfen“ (1963) bis zum „Mondspiegel“ (1986). Zwölf Werke von Timm Ulrichs, bisher im Gartenhaus präsentiert, kommen in einem Raum des Altbaus neu zur Geltung.

Der 1958 geborene Konzeptkünstler Hans-Peter Porzner, Erfinder des fiktiven Museums für Moderne Kunst München, provoziert mit Bildern, die sich meist auf die Bildsprache von Kandinsky, Klee oder Ernst beziehen. In der aktuellen Ausstellung treten seine Malereien in einen ironischen Dialog mit Werken von Werner Gilles (1894–1961) aus der Sammlung des Kunstmusems Mülheim an der Ruhr. Der künstlerische Werdegang von Gilles wurde durch die rigide Kulturpolitik im Dritten Reich nachhaltig beeinträchtigt, so dass er erst nach 1945 mit seiner abstrakten Malerei Anklang fand. Später relativierte sich der künstlerische Rang seines Schaffens, dessen Bedeutung heute wieder diskutiert wird. Porzner zitiert Gilles Werk und geht einen Schritt weiter, indem er malt, wie Gilles vielleicht gemalt hätte, wäre ihm mehr Zeit geblieben. Seine Bilder, zum Beispiel die Berglandschaften mit Mickymaus-Ohren als Sonne, stellen provokant die Strategien des Ausstellungsbetriebs in Frage.

Im Rahmen von „Intermezzo“ werden im Neubau während der Sommermonate Arbeiten aufeinanderfolgend zeitgenössischer Künstler vorgestellt, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. In diesem Jahr geht es um Bewegung von Menschen im öffentlichen Raum, zunächst mit Fotos von Jutta Engelage, ab September mit Fotos und Videos von Gudrun Kemsa.

Die in Münster lebende Künstlerin Jutta Engelage, geboren 1960, befasst sich in ihren ungewöhnlichen Fotoarbeiten mit der Sichtbarkeit von Bewegung im Raum. Ihre „Schattenbilder“ irritieren, da sie keinen Menschen mehr zeigen, nur das Bild der Schatten auf dem Boden oder gespiegelt im Wasser. Die Bewegungen werden verzerrt, die Figuren gestaucht oder überlängt. Verfremdet sind auch die Landschaftaufnahmen vom Meer (2006–2012). Indem Engelage ihre Kamera während des Auslösens bewegt, erscheinen Strand, Meer und Himmel als abstrakte Streifenkompositionen, die, teils durch digitale Nachbearbeitung, wie gemalt aussehen.

Besonders spannend sind die großformatigen Arbeiten, die aus vielen, manchmal bis zu zweihundert kleinen Einzelbildern bestehen. Die gerasterten Bildtafeln zeigen immer denselben Ort, etwa einen Abschnitt einer Brücke, einer Rolltreppe, einer Parkanlage. Die Menschen oder Tiere arrangieren sich darauf zu Mustern, machen sich den Raum zu eigen.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr

Bis 7.10., di – fr 14 – 18, do 14 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02382/ 91830

http://www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog Jutta Engelage 19,80 Euro

Quelle: wa.de

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