Neue CD: Aaron Neville: My True Story

Aaron Neville: My True Story (EMI/Blue Note). Der US-Sänger Aaron Neville ist 72 Jahre alt und sieht auf Fotos immer noch aus wie der Rausschmeißer eines Nachtclubs.

Und doch schluchzt er in „My True Story“ das „Cry, cry, cry my blues away“ wie ein Pubertierender in höchsten Liebesnöten. Seine hohe Stimme mit dem typischen Vibrato macht aus dem „Be My Baby“ die juvenile Ansprache der Angebeteten, die man erwartet. Wenige Vokalisten mit Nevilles Reifegrad können ihr Alter so überspielen wie er. Diese Aufnahme mit Klassikern der Doo-Wop-Ära wird dadurch zu einer Kostbarkeit, auch wenn man nicht wüsste, dass sie von Blue-Note-Chef Don Was und Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards produziert wurde. Richards spielt in der handverlesenen Band auch mit, dazu Pianist Benmont Tench (Tom Petty & The Heartbreakers), Schlagzeuger George C. Receli (Bob Dylan), Bassist Tony Scherr (Norah Jones). Doo Wop, das war Musik für Teenager, geprägt von mehrstimmigem Harmoniegesang und sehnsüchtigen Melodien. Neville setzt das kongenial um in Schmachtfetzen wie „Tears On My Pillow“, aber er lässt auch souligere Töne nicht aus wie in „Gypsy Woman“ und rockigere wie in „Work With Me Annie“. Erinnerungsmusik ohne Retro-Langeweile. ▪ Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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