Mythisch: Werke von Akseli Gallen-Kallela in Düsseldorf

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„Die Verteidigung des Sampo“ (1896) von Akseli Gallen-Kallela ist im Düsseldorfer kunstpalast zu sehen. ▪

DÜSSELDORF ▪ Ein Ungeheuer greift die Männer an. Der Held Väinämöinen hat das Schwert gezogen, seine Seefahrer stoßen mit Lanzen zu, und Äxte kreisen gegen ein böses Mischwesen, das halb Adler, halb Mensch ist. Solche Kampfszenen finden sich heutzutage in den Phantasie-Filmen Hollywoods. Die digitale Tricktechnik macht Dämonen sichbar. Zur Zeit Akseli Gallen-Kallelas stiegen die sagenhaften Wesen aus den Geschichten der Vorfahren. Von Achim Lettmann

Der finnische Maler visualisierte mit seinen Gemälden den Mythen-Schatz, der im 19. Jahrhundert zur Grundausstattung eines jeden europäischen Nationalstaats zählte. In einer Ausstellung des Düsseldorfer Kunstpalasts wird der größte finnische Maler der Jahrhundertwende, Akseli Gallen-Kallela (1865–1931), vorgestellt: „Überirdisch-nordisch“.

Solche Gemälde von Männern und Monstern verfangen heute noch. „Die Verteidigung des Sampo“ (1896) zählt zur Kalevala, einer Sammlung aus 22 795 Versen. Bis ins 19. Jahrhundert wurden diese Gesänge im skandinavischen Finnland mündlich überliefert. Seit 1835 gibt es eine Schriftfassung von Elias Lönnrot – das finnische Nationalepos.

Die Arbeit Gallen-Kallelas fällt in die Zeit, als Finnland seine Identität entwickelte und neidisch auf Staaten wie Frankreich und Schweden schaute. Erst 1917 sollte Finnland unabhängig von Russland werden.

Mit dem Kampfbild, auf dem das magische Schmiedestück Sampo vor Louhi, der Herrscherin des Nordlandes Pohjola, verteidigt wird, schafft Gallen-Kallela auch einen neuen Bilder-Kanon für die Mythologie. Trotz der bizarren Szenerie sind die Figuren sehr flächig gemalt, kräftige Farben kontrastieren die Formvereinfachung, und auf Schatten wird ganz verzichtet. Gallen-Kallela, der von 1884 bis 1889 in Paris war, übernahm einen postimpressionistischen Stil, den Synthetismus. Maler wie Paul Gauguin führten in dekorativen Bildern eine Idee, ihren symbolischen Gehalt und die subjektive Wahrnehmung des Themas zusammen. Gallen-Kallela idealisierte die mythischen Gestalten, wie beispielsweise Lemminkäinen, der auf einem Bild mit seiner Mutter metallisch wirkende Haare hat und wegen eines Zauberbalsams geradezu enthoben aussieht.

Gallen-Kallela hat in „Lemminkäinens Mutter“ (1897) eine Zauberstimmung geschaffen, mit der er die Mutterliebe und das Todesmysterium thematisiert. Der Kalevala nach wird Lemminkäinen von seiner Mutter erweckt, nachdem er beim Versuch, einen heiligen Schwan zu töten, umkam.

Die Ausstellung bietet 75 Werke. Vor allem Gemälde, aber auch grafische Arbeiten, Möbel, Textilien und Entwürfe. Die Schau war vorher in Paris und Helsinki zu sehen. In der thematisch gehängten Präsentation wird spürbar, dass der Maler ganz selbstständig die modernen Strömungen der Malerei für die finnischen Themen nutzte. Frühere Arbeiten wie das Porträtbild einer jungen Frau („Demasquée“, 1888) transportieren einen Naturalismus, der den entblößten Körper ganz ungeniert zeigt und dabei über die offenen Augen und koketten Gesten die Selbstständigkeit einer Person skizziert.

Gallen-Kallela verbrachte mit seiner Familie die Sommer ab 1890 in Karelien, dem Norden Finnlands. Hier fand er die Motive für seine Symbol- und Landschaftsmalerei. Mit dem Gemälde „Mäntykoski Wasserfall“ (1892-94) lässt er vor dunklem, ewig wirkendem Fels hell spritzendes Wasser spielen. Dieses schäumende naturnahe Bild interpretiert er, indem er fünf goldene Saiten über das Motiv spannt, wie bei einem Zupfinstrument. Gallen-Kallela symbolisiert ein musikalisches Echo und überhöht das Bild zum Naturspiel.

Immer wieder werden neue Stilrichtungen ausprobiert. Bei einem Aufenthalt in Britisch-Ostafrika 1908 zeigt er einen Afrikaner („Kikuyu am Flussufer“, 1909/10) in breiten Pinselstrichen, mit Blau und Gelb sind die Naturfarben akzentuiert und erinnern an den Expressionismus der Zeit. 1907 hatte sich Gallen-Kallela bei einem Dresden-Besuch „Der Brücke“ angeschlossen. Letztlich blieb der bedeutendste Maler Finnlands aber dem Naturalismus verpflichtet. „Der Junge mit Krähe“ (1884) scheint über der impressionistisch gemalten Wiese wie ein fotorealistisches Wesen zu schweben. Das ländliche Leben geht in Alltagsszenen aus Familie, Bauernstube und Sauna (1886-89) auf.

Ganz interessant ist der Iris-Raum in Düsseldorf, der dokumentiert, was Gallen-Kallela zur Weltausstellung 1900 in Paris beigetragen hat, wie den Wandteppich „Flamme“, eine moderne Ikone des Teppichdesigns. Kunstgewerbe, Möbel, und Keramik sind zu sehen. Und das Skizzenbuch Gallen-Kallelas, das sich an einem Monitor durchblättern lässt.

Quelle: wa.de

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