Das Museum Ostwall bewegt seine Sammlung

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Pop-Ikone: Marilyn von Andy Warhol (1964).

Von Ralf Stiftel DORTMUND - Al Hansen muss einen süßen Zahn gehabt haben. Jedenfalls formte der Pionier der Fluxus-Bewegung in den 1960er Jahren aus dem Papier von Hershey-Schokolade Kunstwerke wie „Kohl Venus von Bochum“ (1965). Die Frauensilhouette trägt in sich eine Art Liebesgeschichte bis zum erotischen Dialog, alles aus den Buchstaben des Markenschriftzugs.

Die Arbeit ist im Museum Ostwall zu sehen, das dem Künstler zum 20. Todestag einen eigenen Raum widmet. Al Hansen (1927–1995) stammte aus New York, hat in Warhols Factory gearbeitet und Happening-Formen erfunden wie den „One Piano Drop“, den Wurf eines Klaviers aus dem fünften Stockwerk. 1983 übersiedelte Hansen nach Köln. Reich wurde man mit seiner Art Kunst nicht, also arbeitete er mit billigen Materialien. Seine Themen aber gehören zu den ganz großen. So formt er aus der Alufolie von Pralinen eine Venus. Und aus den Streichholzschachteln seiner Kölner Lieblingsbar entstand eine „Sphinx“ (1991/92).

Das Museum Ostwall hat viel mehr Kunst als Platz im Dortmunder U. Aus dieser Not heraus entstand die Ausstellungsserie „Sammlung in Bewegung“, bei der regelmäßig ausgewechselt wird, so dass Schätze aus dem Magazin ans Licht kommen. In der aktuellen Ausgabe der Präsentation wird besonders der avantgardistischen Kunst zwischen 1950 und 1970 Aufmerksamkeit gewidmet. Das Haus hat einen umfassenden Fundus an Fluxus- und Zero-Kunst, der nun ins rechte Licht gerückt wird. Es gibt noch einen Fluxus-Künstler, dem ein eigener Raum gewidmet wird: Der Brite Dick Higgins (1938–1998), dessen Zeichnungen vor allem als Partituren für Performances zu lesen sind.

Die Künstler der Zero-Gruppe haben Hochkonjunktur. In Berlin wird eine Übersichtsschau präsentiert, Günther Uecker hat gerade eine Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Das Museum Ostwall zeigt Arbeiten von ihnen wie Ueckers „Weißes Meer“, ein Lichtrelief von Heinz Mack, ein Feuerbild von Otto Piene, das wie ein Aquarell wirkt.

Aber auch andere Tendenzen werden gewürdigt. In einem Raum ist die Op-Art eines Victor Vasarely neu zu entdecken, das Spiel mit räumlichen Wirkungen in der Fläche. Die Druckserie „Planetarische Folklore“ (1964) arbeitet noch mit flächigen Effekten, wirkt aber durch die optische Schlagseite, die so regelmäßig gestalteten Flächen haben ihr Zentrum an den Rand gerückt. Alfonso Hüppi schuf ein Holzbild, (o.T., 1973), das lange nicht ausgestellt war, bei dem allein durch die Anordnung der Bretter der Eindruck von Räumlichkeit, von Kisten, erweckt wird. Und zwischen all den Abstraktionen und Formspielereien hängt ein Gemälde von Konrad Klapheck, eine seltsame Maschine, deren Rohre eine Art Kreislauf bilden: „Der Egozentriker“ (1964).

Aber auch der Held der Pop-Art hat seinen Auftritt: Andy Warhol mit zwei farbstarken Siebdrucken von Marilyn Monroe (1964). Die Arbeit korrespondiert wunderbar mit einer ganz anders gearteten Deutung des Themas von der Künstlerin Ketty La Rocca (1938–1976): Sie nimmt für ihre Serie von 1974 ein Foto, das die Schauspielerin in einem stillen Moment zeigt und übersetzt es in Zeichnungen, wobei die unverkennbare Silhouette geschrieben ist. Aus dem ikonischen Foto wird ein Bildgedicht.

Schließlich gibt es im Grafikkabinett noch Blätter von russischen Künstlern der Sowjetzeit, die sich nicht dem Ideal des sozialistischen Realismus fügten, humorvolle Collagen von Anatol Brusilowskij und frühe Arbeiten des inzwischen berühmten Künstlers Ilja Kabakow.

Bis 30.8., di – so 11 – 18, mi, do bis 20 Uhr,

Tel. 0231/ 502 52 36, www. museumostwall.dortmund.de

Quelle: wa.de

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