Museum Kunstpalast Düsseldorf widmet Konrad Klapheck eine Werkschau

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Soviel Dampf lässt große Gefühle ahnen: Konrad Klaphecks Gemälde „Die Schwiegermutter“ ist im Kunstpalast zu sehen. Museum

Von Ralf Stiftel DÜSSELDORF - Man könnte manchmal meinen, dass Konrad Klapheck einfach nur einen Witz reißen will. „Die Schwiegermutter“ heißt das Gemälde von 1967, das ein aufgestelltes Bügeleisen zeigt mit neun Löchern, aus denen Dampf zischt. Eine aufgeplusterte, im Grunde aber harmlose Matrone. Ein Witz. Man kann allerdings auch hinschauen und die Absurdität erkennen. Es gibt kein Kabel, keinen Regler und keine auslösende Hand. Das Gerät in der Form dieses Bildes könnte nie funktionieren.

Zu sehen ist Klaphecks Gemälde im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, das dem Mann eine Retrospektive widmet. Endlich, meint Direktor Beat Wismer. Hat der Maler doch keine fünf Minuten entfernt sein Atelier. Seine monumental vergrößerten Bilder von Schreib- und Nähmaschinen, Schuhspannern und Baufahrzeugen gehören als Ikonen in die Geschichte der deutschen Nachkriegsmalerei. Rund 70 seiner wichtigsten Werke aus allen Schaffensperioden zeigt das Museum, sieben Jahre, nachdem die Kunsthalle Recklinghausen Klapheck im Rahmen der Ruhrfestspiele würdigte.

Der Maler, 1935 in Düsseldorf geboren, hat eigentlich nicht Schule gemacht. Welcher junge Maler arbeitet so wie er? Gerade die Objektdarstellungen sind unverwechselbar und singulär. Die „Schreibmaschine“ (1955) steht gewaltig auf einer grauen, undefinierten Fläche, vor einem schwarzen Hintergrund, größer als in der Realität. Sie wirkt verloren, unbehaust – niemand benutzt sie, um das eingespannte Blatt Papier mit Text zu füllen.

Bald schon gibt Klapheck seinen Bildern sprechende Titel. Eine Nähmaschine, die dem Betrachter ihre Rundungen entgegenreckt, deren Nadel aber eine gewisse Wehrhaftigkeit andeutet, heißt „Die gekränkte Braut“ (1957). Die Distanz zwischen dem scheinbar so sachlichen Bild und seinem gefühlsschweren Titel bringt die Phantasie in Schwung. 1967 malt er wieder Nähmaschinen, aber er lässt sieben von ihnen auf den Betrachter zumarschieren. Er zeigt sie in Untersicht, und die Nadeln sind zu wuchtigen Dornen geschwollen. Das Bild heißt „Soldatenbräute“. Die Farb- und Lichtregie setzt um die Maschinen ein aggressives Rot, das nach oben in kaltes Gelb ausglüht. Wahrlich: Davor kann man sich fürchten. Wie zahm erscheint daneben doch der „Hausdrachen“ (1964), noch ein Bügeleisen, aber dunkel, kalt und friedlich, ganz ohne Dampf. Und wie plustert sich der „Pascha“ (1973) auf dem Stuhl, ein elektrischer Rasierapparat mit extra langem Kabel.

Das Zeug liegt oder steht in Klaphecks frühen Bildern einfach so herum. Man denkt an die Surrealisten, vielleicht auch an die neue Sachlichkeit der 1920er Jahre. Bei manchen Gemälden glaubt man so etwas wie eine Moral zu sehen. „Die Stimme des Gewissens“ (1965) ist ein Telefon, freilich perspektivisch verzerrt, die Sprechmuschel wölbt sich gewaltig, der Hörer dagegen ist eingeschrumpft, und das Kabel schlingt sich um das Gerät wie Schlangen um Laokoon. Aber das Bild verrät nichts. Das gemalte Gewissen bleibt stumm.

Manchmal lässt Klapheck sich in die Karten blicken. Zum Bild „Die Supermutter“ (1969/1975/1992) zeigt er die Reproduktion eines Madonnenbildes von Raffael aus dem Louvre. Und tatsächlich findet man in der 280 cm hohen verfremdeten Nähmaschine das Blau aus Mariens Mantel wieder und die ausladende Geste zum Kind.

Irgendwie wirken die metallischen Dinge bei Klapheck lebendig. Auf seinem größten, 7,20 Meter breiten Bild, „Im Zeitalter der Gewalt II“ (1995), bedrängt ein Bagger einen Laster. Wie die Schaufel ihre Last auswirft, das wirkt verletzend, bedrängend. Oder sehen wir doch ein seltsames Paar?

Genauigkeit ist Klapheck wichtig, sagt er. Er hält sich daran. „Ungefähr 396 Bilder“ habe er bislang gemalt, teilt er mit. Jedes ist präzis geplant, am Ende mit einer Vorzeichnung im Format des ausgeführten Bildes. Die Schau bietet Beispiele dafür. Zum Beispiel bei „Autobiographie“ (1983), dem 3,70 m breiten Bild eines Motorrads. An manchen Bildern arbeitet Klapheck mehr als ein Jahr.

Man erkennt besonders in seinen Figurenbildern gelegentlich den Einfluss seines Lehrers Bruno Goller. Aber die Nackten, die er seit den 1990er Jahren offensichtlich so gern malt, sind längst nicht so lebendig wie seine Maschinen. Klobig stehen die Mädchen in der „Küche“ (1997) und wetteifern mit den Löffeln, Kannen, Töpfen um unsere Aufmerksamkeit. Wismer findet, dass die Figurenbilder gleichgewichtig in die Werkschau gehören. Auch den Jazz liebt der Künstler, sammelt Platten, und malt seine Favoriten: Count Basie, Billie Holiday, Thelonious Monk, Lester Young. Rätsel geben sie uns keine auf.

Konrad Klapheck im Museum Kunstpalast Düsseldorf. Bis 4.8., di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr,

Tel. 0211/ 899 02 00, www.smkp.de,

Katalog, Hirmer Verlag, München, 24,90 Euro

Quelle: wa.de

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