Ausstellung in Essen

Bond: Museum Folkwang zeigt Plakate und Fotos

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Immer Gentleman: Sean Connery auf einem Plakat zu „Diamonds Are Forever“ (1971).

Von Ralf Stiftel ▪ ESSEN–Wie trägt der Gentleman seine Pistole? Auf Kontaktabzügen einer Fotosession von David Hurn von 1963 zeigt Sean Connery es uns, hält die Waffe mal rechts, mal links neben den Kopf, lässt den linken Arm hängen, hebt ihn vor die Brust. Auf einer Aufnahme scheint er das Schießeisen an die Wange zu schmiegen. Am Ende schuf er eine ikonenartige Haltung für James Bond, eine Mischung aus verschränkten Armen und Hab-Acht. Mit leichten Variationen haben seine Nachfolger diese Pose übernommen. Agent 007 trägt Maßanzug, Krawatte oder Fliege, Pistole und ein oder mehrere Girls.

Das Bildvokabular findet man auch auf Filmplakaten wieder wie dem, das Robert McGinnis 1971 für „Diamonds Are Forever“ schuf. Da schenkt uns der wunderbar gemalte Sean Connery diesen ironisch-arroganten „Alles-Meins“-Blick. Bond ist zur Zeit wieder in aller Munde, mit dem Kassenrekord für den aktuellen Film „Skyfall“ und dem Jubiläum der Filmreihe. Das Deutsche Plakat Museum im Essener Museum Folkwang widmet dem Agenten die Ausstellung „Bond, ... James Bond“, die rund 120 Plakate und 80 Fotografien zu den 24 Filmen bietet, bestückt vor allem mit Leihgaben aus zwei Privatsammlungen.

Museumsdirektor René Grohnert betont, dass sein Haus nicht die „verlängerte Werkbank des Marketing“ sein wolle. Die Exponate sollen als Spiegel des Zeitgeistes dienen. Bond, das war anfangs der Held des freien Westens im Kalten Krieg, heute stammen seine Gegner eher aus multinationalen Konzernen oder aus Terrorzellen. Die Welt muss Bond noch immer retten, und er behält das stoische Poker-Gesicht noch auf dem Plakat zu „Thunderball“, wo er mit dem Raketenrucksack abhebt. Aber wenn auch das Material kritisch aufbereitet ist, bleibt die Schau doch ein Vergnügen. Dafür sorgen auch mehrere Stationen, an denen man in Trailern die Bonds von Connery bis Craig erlebt.

Die Ausstellung mit den Schätzen des Plakatsammlers Thomas Nixdorf und des Fotosammlers Robert Ganz ist in acht Kapiteln präsentiert. Zu sehen sind Entwürfe, Plakate aus Brasilien und Malaysia, Skizzen, Pressefotos und Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen. Hinzu kommen Motive zu Kopien und Parodien (bis hin zu Bert aus der „Sesamstraße“) und ein Blick auf Product-Placement. Die Schau dokumentiert einen Verlust: In früheren Jahren wurden Plakatmotive expressiv gemalt und je nach Land variiert. Plakate aus Italien zum Beispiel scheinen den Sex mehr zu betonen. Auf Otello Mauro Innocentis Plakat zu „Dalla Russia con amore“ (1970er Jahre) ist der süffisant lächelnde Connery von üppigen Frauen umgeben, darunter zwei knapp bekleideten Catcherinnen.

Heute, klagt Sammler Nixdorf, ist diese Liebe zum Detail, die Vielfalt des Ausdrucks geschwunden. Es gibt keine Pressefotos mehr und keine zum Aushängen in den Kinos. Stattdessen wird weltweit eine begrenzte Auswahl an Motiven angeboten. Bond sieht heute überall gleich aus. Die Plakate – „alles billiges Photoshop“, sagt Nixdorf.

Umso schöner sind die alten Plakate und Fotos anzusehen. Zum Beispiel im Kapitel „Architektur“, wo man die unglaublichen Räume sieht, die Ken Adams vor allem für die Kommandozentralen der Bösewichte schuf. Die Raketenrampe im Vulkan aus „You Only Live Twice“ (1967), die U-Boot-Rampen aus „The Spy Who Loved Me“ (1977), die Schaltzentrale aus „Moonraker“ (1979) waren alle im Studio gebaut, eins zu eins im Vor-Computer-Zeitalter.

„Gewalt“ und „Sex“ heißen zwei Themenräume. Natürlich gehören Bettszenen zu den Filmen. 1965 monierte die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft ein Plakat zu „Feuerball“ als zu „freizügig“. Ein Bond-Girl mit rosa Bikini schien sich nackt zu räkeln, andere ließen zu tief blicken. Mit einem anderen Hintergrund und retuschierten Dekolletés ging das Motiv aus dem Atelier Degen dann doch durch. Daran, dass Bond auf dem Plakat einen Angreifer mit einer Harpune tötet, nahm die Kontrollstelle übrigens keinen Anstoß. Welch ein Kontrast zur aggressiven Körperlichkeit, mit der 1985 Grace Jones in Dan Goozées Plakat zu „A View To A Kill“ präsentiert wird.

Bond, ... James Bond im Museum Folkwang, Essen. 10.11.–13.1., di – so 10 – 18, fr bis 22.30 Uhr,

Tel. 0201/ 88 45 000, http://www.museum-folkwang.de

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 28 Euro

Quelle: wa.de

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