Museum Bochum zeigt die Sammlung Weiss

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In Bochum zu sehen: Jonathan Meeses Gemälde „Colonel Dickbackus isst gerne“ (2014).

BOCHUM Die Frau hat zwei Gesichter. Einmal hält sie den Blick gesenkt, das andere Mal schaut sie zur Seite. Otto Steiners klassische Schwarz-Weiß-Fotografie „Christas Two Faces“ von 1948 gehört zur opulenten Ausstellung „doing identity“ im Kunstmuseum Bochum. Zu sehen sind rund 250 Werke der Sammlung Weiss, darunter Fotografien, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Keramiken, Installationen und Videoarbeiten.

Reydan Weiss wurde in Istanbul geboren, wuchs in Jordanien und Jerusalem auf, kam zum Studium nach Deutschland und lebt heute in Düsseldorf, in Neuseeland und in der Türkei. Seit über 30 Jahren trägt sie zeitgenössische Kunst aus fast allen Teilen der Welt zusammen und besitzt inzwischen mehr als 1000 Arbeiten.

„Offen sein für Neues, neugierig bleiben und Veränderungen wertschätzen“ – so beschreibt sie ihre Sammelmotivation, und wirklich begeistert ihre Sammlung gerade durch die unkonventionelle Mischung, die Figürliches ebenso wie Abstraktes umfasst und auch vor provokanten Arbeiten nicht zurückschreckt.

Die Ausstellung, die erstmals in Nordrhein-Westfalen zu sehen ist, wurde kuratiert von Studierenden des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn unter der Leitung der Professorin Anne-Marie Bonnet und gliedert sich in Themenbereiche wie „Porträt“, „Dinge“, „Kultur“ oder „Wunderkammern“.

Vereinzelt finden sich Arbeiten bekannter Künstler wie beispielsweise das Nagelrelief „Johannes“ (1995) von Günther Uecker, das Wandobjekt „Rotor“ (1971) von Heinz Mack, Jonathan Meeses Gemälde „Colonel Dickbackus isst gerne“ (2014) sowie einige Porträts von Cindy Sherman.

Vor allem aber sind Werke von Künstlern ausgestellt, die bisher nicht groß am Kunstmarkt gehandelt werden. So sind die geheimnisvoll-bizarren Arbeiten der australischen Künstlerin Linda Ivimey (geboren 1965) eine echte Entdeckung. Unter dem Titel „Wunderkammer“ (2012) versammeln sich in einer Vitrine skurrile Fetische: Figuren aus Lumpen, Fell und Knochen, verbunden mit Lederschnüren und Haaren, wie in einem unheimlichen Ritual umgeben von Eiern, Steinen und Kerzen.

Immer wieder geht es um die eigene Identität, um Rollenerwartungen und Inszenierungen. So verbirgt die halbnackte Schöne im Bild „Sans Fleurs Ni Couronnes“ (2015) von Katia Bourdarel das Gesicht hinter der behandschuhten Hand. Charles Frégers Fotografie-Serie „Wilder Mann“ (2010-12) zeigt Menschen in traditionell-alpenländischer Faschingsverkleidung wie im Krampus-Kostüm. Beunruhigend Andres Serranos Foto „The Morgue/Homicide“ (1992) von einer Leiche mit verhülltem Kopf, ein bisschen beängstigend die alten Nackten (1995) auf den Bildern von Manabu Yamanaka.

Interessant auch Nil Yalters Arbeiten von 1977, die sich mit türkischen Einwanderern beschäftigen. Typische Familienfotos werden Zeichnungen gegenübergestellt, die Gesichter und ganze Personen aussparen und zum Beispiel nur noch das Kopftuch der Mutter zeigen.

Die Fotografien von Alfred Seiland aus den späten Siebzigern setzen sich mit abweisenden Orten auseinander. In dem abgeschirmten Pool möchte bestimmt niemand baden, und die hell erleuchteten Telefonzellen hinter dem Müllcontainer wirken auch nicht gerade einladend.

Marion Gay

Bis 4. 2.; di-so 10 – 17 Uhr, mi 10 – 20 Uhr; Tel. 0234/ 9104230; www.kunstmuseumbochum.de

Quelle: wa.de

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