Museum Bochum zeigt „Fluxus Ruhrgebiet“

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Das „Wolkenauto“ von Geoffrey Hendricks ist in der Bochumer Fluxus-Schau zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ BOCHUM–Das Kult-Auto der frühen Siebziger parkt im Foyer: Ein VW-Käfer, himmelblau mit weißen Wölkchen. Geoffrey Hendricks bemalte den Wagen 1979 im Bochumer Einkaufszentrum Ruhrpark.

Das Kunstwerk sollte nicht verkauft werden. Stattdessen gab es ein Preisausschreiben für Mitarbeiter der Ruhrgebietsmuseen. Ein Angestellter des Lehmbruck-Museums gewann. Er durfte mit dem Auto allerdings nicht fahren, es musste im Bestand des Museums verbleiben. Jetzt ist es in der Ausstellung „Inge Baecker Bochum – Fluxus Ruhrgebiet“ im Kunstmuseum Bochum zu sehen. Die überaus spannende Schau präsentiert Zeichnungen, Fotografien, Installationen, Videos und Objekten der provokanten Aktionskunst der Siebziger Jahre.

Im November 1970 gründete Inge Baecker ihre erste Galerie, zunächst in einer Tiefgarage in Bochum-Hamme. Wenig später bezog sie Räume in einer Villa gegenüber des Museums. Von den ersten Ausstellungen an zählte die Galerie zu den besten Adressen für die Fluxus- und Happening-Bewegung in Deutschland. Neben Nam June Paik, Wolf Vostell und Allan Kaprow präsentierte Inge Baecker viele Vertreter konzeptueller und internationaler Kunst erstmals in Deutschland. Die Ausstellung zeichnet die zwölf Jahre der Galerie in Bochum nach, die später nach Köln umzog und heute noch immer von Inge Baecker in Bad Münstereifel betrieben wird.

Legendär sind ihre von 1972 bis 1979 im Ruhrpark veranstalteten „Kunstwochen“. Dort schuf Allan Kaprow (1927–2006) 1979 einen Turm aus alten Autoreifen, der im Jahr darauf durch Brandstiftung zerstört wurde. Die Täter waren keine Kunsthasser, wie zunächst vermutet, sondern Kriminelle, die von einem Einbruch ablenken wollten.

Natürlich waren die Fluxus-Aktionen Aufreger, und man kann sich gut vorstellen, wie die Aktion von Al Hanson (1927–1995) die Besucher des Einkaufszentrums aufbrachte. Der amerikanische Künstler versprach, das größte Gemälde der Welt zu malen. Dann ließ er sich von einem Kran hochziehen und führte großzügige Malgesten in alle Himmelsrichtungen aus.

Inge Baecker erinnert sich an die Neugier und Aufgeschlossenheit der Leute im Ruhrgebiet. „Sie ging einkaufen, und er hatte Zeit. Er kam an meinen Stand, fragte, was das denn sollte, und wenn sie zurückkam, erklärte er ihr, was es mit der Kunst auf sich hatte“, schildert die Galeristin die typischen Ruhrpark-Besucherpaare.

In Massen drängten sie sich um die Schaufenster, um das „TV-Cello“ live zu erleben. Hierbei spielte die Musikerin Charlotte Moorman (1933–1991) liegend und verkabelt Cello auf einer von Nam June Paik (1932–2006) entwickelten Bettkonstruktion. Drei Fernseher übertrugen Bilder und Musik in den Raum. Musik spielte bei Fluxus eine große Rolle. So sind selbstspielende Instrumente zu sehen sowie das komplett mit Notenblättern überzogene Interieur des „Beethovenzimmer“ von Maurizio Kagel (1931–2008).

In erster Linie war Fluxus-Kunst für den Moment gedacht. Die Aktion stand im Vordergrund, weniger das verbleibende Objekt. So gab es im Vorfeld der Ausstellung Diskussionen, ob Wolf Vostells 1972 einbetonierte Verkaufstheke eines Fleischerladens restauriert oder dem Verfall überlassen werden sollte. Man entschied sich für die Restaurierung und entdeckte in den Fugen Teile der eingemauerten Kasse. Vom Efeu befreit ist das Werk im Außenbereich des Museums zu sehen.

Eröffnung Samstag, 17 Uhr,

bis 21.10., di – so 10 – 17, mi 10 – 20 Uhr,

Tel. 0234/ 910 42 30

http://www.bochum.de/kunstmuseum

Quelle: wa.de

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