Museum Bochum zeigt eigene Sammlung: Richter, Baumeister und Co.

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Gerhard Richters Bildnis „Helmut Klinker“ (1965) ist in Bochum zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ BOCHUM–Kraftvoll leuchtet das Rot. An manchen Stellen platzt es auf und gibt den Blick frei auf schwarze Linien und Flächen. Das Gemälde von 1970 des am 6. Februar verstorbenen Künstlers Antoni Tàpies erinnert an eine Felslandschaft und gehört zu dem beträchtlichen Kunstschatz des 1960 gegründeten Kunstmuseums Bochum. Museumsleiter Hans-Jürgen Golinski schätzt den Wert der Sammlung auf etwa 50 Millionen Euro. Zu den Highlights zählen Werke von Christo, Willi Baumeister und Andy Warhol, zu sehen in einer feinen Auswahl unter dem Titel „Helmut Klinker, Kurt Rehm und andere Förderer. Schenkungen – Stiftungen – Dauerleihgaben“.

Zusätzlich zu den rund fünfzig Arbeiten werden in der Zeit vom 29. Februar bis zum 11. März auch großformatige Gemälde von Norbert Tadeusz, Karl Otto Götz, Douglas Swan und weiteren Künstlern gezeigt, die ebenfalls aus dem Bestand stammen.

Schon vor dem 2. Weltkrieg gab es in Bochum engagierte Kunstsammler, außerdem kaufte die Stadt in den 50er Jahren Kunstwerke an, die später, zum heutigen Bedauern, zum Teil an andere Städte veräußert wurden. Mit Peter Leo, dem ersten Bochumer Museumsleiter, konnte systematisch eine Sammlung aufgebaut werden.

Heute, in Zeiten knapper Stadtkassen, werden verstärkt Stimmen laut, die vorschlagen, das Museum zu schließen und möglicherweise die Sammlung zu veräußern. Kursierende Schließungsgerüchte verunsichern jedoch Sammler, auf die das Museum mehr denn je angewiesen ist.

So würdigt die aktuelle Ausstellung die Bochumer Sammler, ganz besonders Helmut Klinker (1925 – 2010) und den Baumeister-Schüler Kurt Rehm (geboren 1929). Sie hatten zu günstigen Konditionen herausragende Kunstwerke der Stadt zukommen lassen oder die Sammlung durch Schenkungen bereichert. Aber auch zahlreiche Künstler wie Norbert Tadeusz oder Kuno Gonschior zeigten ihre Verbundenheit, indem sie dem Museum Arbeiten überließen.

Zu den beeindruckenden Bildern zählt Gerhard Richters verschwommen wirkendes Porträt von Helmut Klinker (1965) sowie Alexander Calders kleines Objekt „Petit mobile sur pied“ (1971). Ein Stück weiter ein eingeschnürtes Päckchen, auf Leinwand montiert: Christos plastische Arbeit „Empaquetage“ (1963).

Auch wenn der Schwerpunkt der Sammlung auf Kunst nach 1945 liegt, finden sich einige ältere Werke, wie zum Beispiel Kurt Weinholds bedrückendes Bild „Gegenwart“ (1931). Hinter dem feisten Mann im grauen Anzug lauert eine Jesusfigur mit roten Augen, blutenden Wundmalen und einer Schlagwaffe. Der apokalyptisch bunte Himmel verkündet nichts Gutes. Ähnlich beunruhigend das Bild „Apokalypse“ (1952) von Franz Radziwill, gestiftet von der Bank für Gemeinwesen.

Kurt Rehms zwölf anrührende Tempera-Miniaturen (1955–57) spielen mit arabesken Formen und angedeuteten Figuren. Ihm verdankt das Museum einen ganz besonderen Schatz: zwanzig Handzeichnungen von Willi Baumeister. Aktuell zu sehen sind zehn dieser kraftvollen und ausdrucksstarken Werke.

Bis 14. April; di-do 10 bis 17 Uhr, mi 10 bis 20 Uhr;

Tel. 0234/ 910 42 30;

http://www.bochum.de/kunstmuseum

Quelle: wa.de

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