Mumford & Sons schlagen ihre rauen Liedertöne in Düsseldorf an

DÜSSELDORF - Von Frank Zöllner - Als Mumford & Sons im August 2009 auf einer kleinen Nebenbühne beim Haldern Pop-Festival einen der ersten Deutschland-Auftritte ablieferten, waren sie nur eine aus der Reihe der zahllosen neu entstehenden Neo-Folk-Bands wie Bon Iver oder die Fleet Foxes. Nun kehrt die Londoner Band für ihre erste ausgedehnte Deutschland-Tournee zurück.

Längst sind sie mit zahlreichen Musikpreisen wie Grammys, Brit Awards und Echo ausgezeichnet worden, und, na klar, die Tour ist restlos ausverkauft.

So sind am Mittwochabend in der Düsseldorfer Mitsubishi-Electric-Halle etwa 7500 Fans erwartungsfroh – und werden nicht enttäuscht. Den Titelsong „Babel” des neuen Albums, eine Nummer eins in England und den Vereinigten Staaten, spielen Sänger Marcus Mumford und seine drei als Söhne bezeichneten Band-Mitglieder am vorderen Bühnenrand nebeneinander stehend. Dies machen sie im wahrsten Sinne des Wortes hemdsärmelig, in abgewetzten Hosen und Schuhen mit großen Gebrauchsspuren. Sie signalisieren damit im höchsten Grade Unabhängigkeit, Authentizität und Bodenhaftung – und erfüllen so in unübersichtlichen Zeiten den Wunsch nach Ursprünglichkeit.

Dabei legt Banjo-Spieler „Country” Winston Marshall von Beginn an eruptive Ausbrüche und Tanzeinlagen hin – ihr Folkrock weist auch die raue Energie der Kings Of Leon auf. Marcus Mumford hüstelt – das fällt während des 90-minütigen Konzertes aber kaum auf, da die Stimme des Frontmanns sowieso eher heiser klingt. Auch das zweite Lied, die aktuelle Single „I Will Wait”, stammt vom aktuellen Album – und wird frenetisch beklatscht und lautstark durch die Masse mitgesungen.

Es geht heimelig zu beim einzigen Konzert in Nordrhein-Westfalen. Das Bühnenlicht ist in warmen Farben gehalten, zu „Holland Road” verwandelt sich das Bühnenbild in eine Straße mit Gaslampen. Dass diese Lieder auch eine akustische Opulenz erhalten, dafür sorgen zwei Geigenspieler und drei Hintergrundmusiker an den Blasinstrumenten.

Die Zwiesprache mit dem Publikum fällt spärlich aus. Kontrabassist Ted Dwane hat am Mittwoch Geburtstag – und soll neben dem Ständchen aus dem Publikum von Marshall ein Banjo-Solo bekommen. Der verspricht einen Neil-Young-Coversong, tut so, als ob er die Melodie nicht findet und schlägt nur einmal in die Saiten.

Das inbrünstige und harte Anschlagen der Akustikgitarre, des Banjos und des Kontrabasses sind ein Markenzeichen der Londoner Band, die vom Erscheinungsbild eher aus dem „Bibelgürtel” genannten, streng gläubigen Süden der USA stammen könnte als aus der Millionen-Metropole London. Denn ihre mitunter alttestamentarisch wirkenden Texte, die in mehrstimmigen Gesangparts klar und sauber vorgetragen werden, handeln von Schuld, Sühne, Verrat, Vergebung, Erlösung und Liebe, und vom guten Hirten, der einen durch die Dunkelheit führt. Bei Balladen wie „Awake My Soul” oder auch Liedern wie „Lover Of The Light” wirkt das wie Besinnungsmusik und gäbe es einen Fluss neben der Bühne, würde es wohl zu Massentaufungen kommen.

Ansonsten hat man mitunter den Eindruck, man schaut Musikern in ihrer Hütte beim Musik machen zu, oder sie singen stehend in gleisender Sonne auf verdorrten Feldern nach absolvierter, schwerer Arbeit. Diese Klischees werden durch den emphatischen Auftritt dieser großartigen Live-Band bedient. Fantastisch wird es, als zu „Little Lion Man” die bis in die Hallenmitte gespannten Lichtergirlanden beleuchtet werden – es wirkt wie ein Sternenhimmel. Als Zugabe gibt es zunächst den Über-Hit „The Cave” vom Debüt- und Durchbruchalbum „Sigh No More” und zum Abschluss den „Dust Bowl Dance”, der von einem vertriebenen und verzweifelten Sohn handelt. Hierzu versammeln sich die drei anderen Bandmitglieder um den nun wie wild auf das Schlagzeug eindreschenden Marcus Mumford, um diese Ohnmacht in einer punkigen Krachorgie auszudrücken.

Quelle: wa.de

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