Münster: Ausstellungshalle Hawerkamp zeigt 6 Künstler „Roter Milan“

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„La grotte en rouge avec ahmo“ von Bettina Marx, zu sehen in der städtischen Galerie Am Hawerkamp in Münster. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Eine Eule und ein Eichhörnchen hocken auf der grellbunt gesprenkelten Leinwand. „Power“ ist mit schwarzen Buchstaben über die Farbflächen geschrieben, dort, wo sie verblassen. Die Arbeit von Paula Müller gehört zur Ausstellung „Roter Milan“, zu sehen in der Ausstellungshalle Hawerkamp. Malereien, Zeichnungen und Installationen von sechs jungen Künstlern sollen hier zu einer Gesamtkonstellation zusammenwachsen.

Die Initiatorinnen des Projektes, die Münsteraner Künstlerinnen Bettina Marx und Daniela Neuhaus, luden vier Kollegen ein, mit ihnen die Halle zu bespielen. Thema war die Auseinandersetzung mit Landschaft. Außerdem sollten die Kunstwerke experimentell die Räumlichkeiten mit einbeziehen. Das im April 2010 eröffnete Ausstellungsforum befindet sich in der Lagerhalle eines ehemaligen Industriekomplexes, in dem sich jetzt Künstlerateliers, eine Diskothek und ein Verlagshaus angesiedelt haben. Viele der Arbeiten greifen die Gitterstruktur der Oberlichter auf, so auch die Installation von Marx und Neuhaus aus unterschiedlich großen Holzplatten, die sich mosaikartig über den Boden ausbreitet und die Fläche von der einen Wand bis zur gegenüberliegenden füllt. In die Arbeit integriert sind Bronzearbeiten von Christoph Knecht. Es sind vasenähnliche Objekte auf bronzenen Tierfüßen, die wirken, als spazierten sie auf dem Bodenrelief herum.

Die monumentalen Installationen dominieren den Raum. So ragt ein Stück weiter der hohe, grob zurechtgezimmerte Turm „Spiracle“ (2011) von Neuhaus auf. Er erinnert an ein Treppenhaus. Im Inneren findet man jedoch keine Treppe, sondern eine kleine Buntstiftzeichnung, die eine Spirale zeigt.

Ein anderer begehbarer Raum ist die Installation „La grotte en rouge avec ahmo“ von Marx. Ein trashig und unkonventionell mit Stoff bespannter Holzrahmen lehnt so an der Wand, dass er wie ein Zelt oder eine Kinderspielhöhle aussieht. Die bunte Wandmalerei dahinter deutet eine stilisierte Landschaft aus Bergen, Bäumen und Wasser an.

Auch die begehbare Arbeit der Kunststudentin Johanna Becker überzeugt. Die Wandmalereien in ihrem Pavillon zeigen wild wuchernde Pflanzen, die Natur scheint außer sich geraten zu sein. Unheimliche Gestalten bevölkern den Wald: Mischwesen aus Mensch und Wellensittich und käferähnliche Gestalten mit zwei Köpfen und großen Ohren. Sie sind aufgespießt auf Stöcken, in der Bewegung gefangen.

Zwischen den monumentalen Arbeiten verlieren sich die kleineren Objekte und Installationen. Zum Beispiel die Werke der Serie „Ikonoklast“ (2011) von Thomas Musehold. Eine Jesusfigur ist in ihre Einzelteile zerlegt, Arme, Kopf und Torso hängen voneinander getrennt an der Wand. Hier weicht die Ausstellung vom Konzept ab: Das Thema Landschaft erschließt sich genauso wenig wie der Bezug zum Raum. Und der Arbeit „Telekom Hawaii“ von Knecht, die mit bronzenen Hawaii-Toasten auf Telefontariftafeln ironisch den Blick auf Hawaii hinterfragt, hätte man einen anderen Platz gewünscht.

Bis 21. August; fr–so 15 bis 19 Uhr; http://www.am-hawerkamp.de

Quelle: wa.de

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