Mnozil Brass im Konzerthaus Dortmund

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Immer für einen Scherz gut: Das österreichische Bläserensemble Mnozil Brass.

Von Edda Breski DORTMUND - Diese Herren sind so wichtig, sie bekommen ihre Instrumente zum Stuhl gebracht und notfalls richtig herum in die Hand gelegt. Der Tubist muss für sie schleppen und sortieren, fegt unter den Füßen der Kollegen, während die feierlich ein Bach-Präludium aufführen. Diese Nummer von Mnozil Brass ist an sich schon klasse gespielt, witzig ist sie darüber hinaus, weil sie ein Orchester-Klischee zur großen Schau aufpustet: nämlich die Mär vom faulen Bläser, der hinten drinsitzt, dauernd mit Nebendingen beschäftigt ist und bei Bedarf mal einen schönen Ton bläst. Darum liest Tubist Wilfried Brandstötter zwischendurch den Playboy.

Im Konzerthaus Dortmund führten Mnozil Brass ihren absurden Musik-Humor an einer Reihe musikkomödiantischer Einzelnummern vor. Die sieben Österreicher ziehen in ihre Trickkisten mehrfache Böden ein: Ihre Witze funktionieren musikalisch, übermusikalisch – wie der Scherz mit dem Tubisten – und ebenso einfach als Comedy. Genaues Hinhören lohnt: Als der Tubist sein Männermagazin weggenommen bekommt, leiten die anderen zu Mancinis „Moon River“ über – aber die ersten paar Noten klingen verdächtig nach „Are you lonesome tonight“.

Reine Comedy ist die Olympia-Nummer: Im Tuba-Trichter wird das „Feuer“ entzündet, eine Vangelis-Hymne beginnt, ein Slow-Motion-Rennen startet. Disziplinen werden durchexerziert: Zum Kindertanz aus Tschaikowskys „Nussknacker“ fesselt sich Posaunist Gerhard Füssl als rhythmischer Sportgymnast mit seinen eigenen Bändern, beim „Speerwurf“ trifft Trompeter Robert Rother einen Kollegen, der zum Chopin-Trauermarsch tödlich getroffen hereintorkelt und zum auf der Trompete geblasenen Nokia-Klingelton aufersteht. Großes Kino ist die Synchronschwimmer-Nummer mit der „Schönen blauen Donau“.

Mnozil Brass stellen Klischees auf die Bühne und erlauben sich damit hinterfotzige kleine Spielchen. Der lange, dauernd wie ein gelangweilter Depp dreinblickende Posaunist Leonhard Paul schnüffelt an seinen Socken, bevor er seine nackten Füße hebt, um mit ihnen die Züge der Instrumente seiner Kollegen zu bedienen, während er mit den Händen zwei Trompeten spielt und ihm der Stuhl unter dem Hintern weggezogen wird. Eine Shownummer, die gut klingt und Zirkus mit Unterstatement verbindet.

Bei so viel Klischee tritt ein kurioser Effekt ein. Die Nummern werden groß aufgeblasen und schnurren irgendwann blitzschnell auf ihren absurden Kern zusammen. Mnozil Brass reflektieren diesen Effekt sogar: Leonhard Paul fängt während einer seelenvollen Darbietung von „My way“ an zu husten und spuckt eine kleine clownsnasenrote Kugel aus. Die Kollegen kommentieren das mit der ersten Zeile von „Bohemian Rhapsody“: „Is this the real life?“ Singen können sie nämlich auch, und zwar sehr ordentlich.

Denn die Sieben sind sehr gute Musiker, die eine Tsigane rasend schnell mit glasklaren Tönen herausposaunen und -trompeten, und deren Witz musikalisch fundiert ist: Während der ungarische Posaunist Zoltan Kiss sich als Balkan-Macho mit Goldkette produziert, spielt hinten einer kurz Mozarts „Alla turca“ an.

Quelle: wa.de

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