„Mimikry“ von Ulrike Donié in Beckum

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Wie eine Bakterien-Invasion sieht die Installation ohne Titel von Ulrike Donié im Stadtmuseum Beckum aus.

Von Marion Gay BECKUM - Schrilles Pink vermischt sich mit Orange, Grün und Blau. Wülste oder Würmer überlagern sich, dazwischen schwirren Milben oder Wassertierchen. In den Bildern von Ulrike Donié explodieren die Farben, die Formen greifen wild und verschlingend um sich. Unter dem Titel „Mimikry – oder: Über das Vortäuschen falscher Tatsachen“ präsentiert das Stadtmuseum Beckum rund 30 aktuelle Acrylmalereien und eine Installation der bei Bonn lebenden Künstlerin. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem Stadtmuseum Bocholt und der Domschatzkammer Aachen.

Mimikry bezeichnet in der Biologie die Ähnlichkeit von Tieren einer bestimmten Art mit einer zweiten Art, so dass andere Tiere die beiden Arten nicht voneinander unterscheiden können und beispielsweise die Hainschwebfliege nicht fressen, da sie sie für eine Wespe halten.

Auch Doniés Bilder lassen sich nicht genau identifizieren. Es könnten von Bakterien bevölkerte Mikrokosmen sein. Oder aber die Untiefen des Ozeans mit seinen Korallen, Schwämmen und Schalentieren. Möglicherweise sind es auch Ansichten vom Weltraum.

Jedes Bild ist eine Variation desselben Motivs, oft sind die Bilder nur durch minimale Details voneinander unterscheidbar. Die organischen Formen vermischen sich in einem scheinbar unkontrollierten Chaos, sie wuchern und verschlingen sich gegenseitig in den immer gleichen schillernden Farben. So grellbunt, dass das Auge fast überfordert ist. Die Motive selbst irritieren in ihrer Vieldeutigkeit. Man denkt an Gedärme, Mageninhalte, Krankheitserreger, gleichzeitig auch an Aquarien, und schwankt zwischen Schönheit und Ekel.

Lediglich die Bildformate variiert die 1961 in Saarbrücken geborene Künstlerin, die ursprünglich Juristin war und ihre Malereien seit 1997 ausstellt. Es gibt runde Arbeiten, die wie ein Blick durch ein Mikroskop oder durch ein Guckloch wirken. Zur Mitte hin verschwimmen die Formen, die Farbe wird dunkler, Tiefe wird vorgetäuscht.

Viele der kleinformatigen Bilder könnte man zum Panoramabild aneinanderreihen, die Formen und Farbfelder ergänzen sich.

In einigen der neueren Arbeiten konzentriert sich Donié auf einen Ausschnitt. Die seltsamen Bakterien-Wesen sind herangezoomt, tummeln sich zwischen nur wenigen ineinander verflochtenen Schnüren oder Adern. Auch die Farben sind weniger vielfältig, wenn sie auch nichts von ihrer Intensität eingebüßt haben.

Die Rauminstallation versammelt rund zehn dieser bakterien- oder ungezieferartigen Gebilde. Einige rund mit Stacheln, manche mit Panzern und unzähligen Vorderfühlern, andere mit vielen Hinterbeinen. Sie hangeln sich an der Wand entlang oder schweben im Raum. Donié fertigte sie aus Bauschaum, den sie mit Gips oder Ton ummantelte und teilweise bemalte. Man möchte ihnen nicht zu nahe kommen.

Bis 17.11., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr,

Tel. 02521/ 29 264

www.beckum.de

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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