Michael „Bully“ Herbig bei Filmpremiere in Essen: „Hotel Lux“

+
Fesch und strahlend: Michael „Bully“ Herbig und Thekla Reuten stellen ihren Film „Hotel Lux“ in Essen vor. ▪

Von Achim Lettmann-ESSEN ▪ Nach der Vorführung des Films „Hotel Lux“ fällt Michael „Bully“ Herbig wieder in die Rolle des Spaßmachers zurück. Er steht vor dem Premierenpublikum in der Lichtburg und winkt: „Essen ist so schön, da ist mir die Stimme weggeblieben.“ Eine witzige Produktionsanekdote folgt von ihm. Herbig ist stimmlich angeschlagen, und er war wirklich vor der Filmvorführung im Kinofoyer gefragt worden, ob er Essen schön findet. Bereitwillig gab er dieses erbetene Lob dem jungen Mann vom Lokalsender mit auf den Weg.

An einem Premierentag ist ein Star wie „Bully“ Herbig für alle da. Aber eigentlich nicht mehr als Possenmacher, der jedem nach dem Mund redet. Denn Herbig gibt im „Hotel Lux“ von Leander Haußmann einen Komödianten, der in politisch brisanter Zeit zum kalkulierenden Entertainer wird, um seine Freunde und sich zu retten. Und in Essen tritt Herbig auch so auf. Smart und locker gibt er Autogramme, lächelt in Handykameras, ohne die üblichen Faxen zu machen. Freche Grimassen bleiben aus. Bully ist elegant – grauer Anzug mit Weste. An dem Seitenscheitel, den er auch im Film trägt, hat der Hairstylist lange gearbeitet.

Für gute Stimmung bei der Essener Premiere sorgte auch Günther Rohrbach, „Hotel Lux“-Produzent und einer der erfolgreichsten Macher in der deutschen Filmszene. Rohrbach verteilte Blumen, als er sagte: „Es gibt kein anderes Kino mehr in Deutschland, das eine solche Ausstrahlung hat.“ Der erste Applaus in der Lichtburg war ihm sicher. Das 1250-Zuschauer-Haus ist nicht ganz ausverkauft, aber sehr gut gefüllt. Und: „Ohne Filmstiftung NRW hätten wir den Film nicht machen können“, sagte Rohrbach. Im Jagdschloss Herdringen bei Arnsberg wurden Innenaufnahmen gedreht. Die Constantin Film und Bavaria Pictures haben „Hotel Lux“ produziert. Die Geschichte spielt im historisch verbürgten Hotel, wo verfolgte Kommunisten im Moskau der 30er Jahre Zuflucht fanden. Ab 1936 sollten viele von ihnen allerdings den „Säuberungen“ Stalins zum Opfer fallen. Leander Haußmann schickt den Komödianten Zeisig in den stalinistischen Moloch und rechnet auf amüsante Weise mit dem Kommunismus ab. Dem Publikum gefiel‘s. Starker Applaus für das Filmteam.

Regisseur Haußmann („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“) verrät, dass er mit „Bully“ Herbig gern gedreht hat: „Weil sich Bully auskennt.“ Nicht das erste Mal habe er mit einem Schauspieler-Regisseur gearbeitet. „Wie wäre Karl Lagerfeld in dieser Zeit zurecht gekommen“, fragt sich Haußmann und erklärt den komischen Ansatz in „Hotel Lux“. Seine Hauptfigur Hans Zeisig ist der falsche Mann am falschen Ort. „Der kommt rein ins Labyrinth des Hotels,... und es zeigt sich, dass eine sozialistische Glaubensgemeinschaft entsteht.“ So skizziert Haußmann die Vorstufe zum Betonkommunismus der 50/60er Jahre.

Eine Entdeckung des Films war auch in Essen. Thekla Reuten spielt Frida van Oorten, Zeisigs Auserwählte. Nach Carice van Hooten („Black Book“ mit Sebastian Koch) ist sie die zweite Niederländerin, die im deutschen Film eine gute Figur macht. Reuten gefiel die „starke, kluge und intelligente Geschichte“ von Leander Haußmann, der auch das Drehbuch schrieb. Von „Bully“ Herbig hatte sie keine Witze erwartet. „Ich schätze ihn als Schauspieler“, sagte Thekla Reuten mit glänzenden Augen.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare