Metallica, Beth Ditto, Jack Black und die Hosen: Rock am Ring begeisterte

NÜRBURGRING/EIFEL - Springen, toben, tanzen: 162.500 Besucher haben drei Tage lang bei den Musikfestivals "Rock am Ring" und "Rock im Park" gefeiert. Die Zwillingsfestivals waren damit erstmals beide ausverkauft.

Von Sabine Fischer

Schweiß färbt den T-Shirt-Kragen dunkel. Darunter umschmeichelt ein Tiger-Print im XXL-Format den Waschbärbauch. Wenn Jack Black die Ekstase überkommt, schwingt, ruckt und zuckt alles mit – bis hinauf in die irgendwie stets verschnitten wirkenden Haarspitzen. Modisch ist Jack Black irgendwo am Ende des letzten Jahrhunderts gestrandet. Gleiches gilt für seinen Kumpel Kyle Gass: Mit Stolz trägt er seinen weißgrauen Haarkranz und die weißen Tennissocken auf Anschlag gezogen, natürlich unter einer kurzen Buxe, über der ein Kugelbauch das knappe T-Shirt spannt. Zusammen sind sie Tenacious D, sie haben den Humor auf die Bühnen gebracht, auf denen sich sonst harte Kerle posend mit ihren Gitarren battlen. Mit ihrem Auftritt bei Rock am Ring am Samstagabend fügten Tenacious D ihrer langen Liste der Erfolge einen weiteren Höhepunkt hinzu. Rund 85.000 Fans enterten am vergangenen Wochenende den Ring und brachten zeitweise den gesamten Straßenverkehr rund um den Ring zum Erliegen.

Da 30 Minuten lang die übrigen beiden Bühnen schwiegen, vereinigten Tenacious D am Ring rund 90 Prozent der Besucher auf sich. Fernseh-Wiederholungen der Jack Black-Filme in der Vorwoche und eine enorme Radiopräsenz ebneten die Bühne für die Vorstellung des neuen Albums „Rise of the Fenix“. Ein phallusartiger Hahn (Cock) als Bühnenskulptur ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass hier die Auferstehung der Männlichkeit gefeiert wie verballhornt wurde. Der Kampf der Rock ’n’ Roller mit Dämonen und Teufeln, Heroen-Gesänge und Helden in Leggins sind der Stoff, den Tenacious D liebevoll und augenzwinkernd aufbereiten. Ein grünes tentakeliges Monster mit Glubschaugen wird per Wasserspritzern aus der Super-Soaker-Kanone verjagt und der vom Teufel besessene Gitarrist kann sich im Solo-Part ausleben und wird durch ein Barden-Battle exorziert. So einfach ist das Rock-Business. Der Balanceakt gelingt, weil die beiden die Ehrfurcht vor den Helden ihrer Kindheit bewahrt haben und noch heute transportieren und sich selbst nicht allzu ernst nehmen. „You made me play guitar – Du hast mich zur Gitarre gebracht“, stand da auf einem Fan-Plakat, das Jack Black mit diabolischem Grinsen zur Kenntnis nahm.

Pete Doherty bekam die Macht des „Fenix“ besonders hart zu spüren – obgleich er überraschend pünktlich auf die Bühne wankte, wollte ihn kaum jemand sehen, zu groß war die Anziehungskraft des Jack Black. Erspart blieb so manchem Musikfreund der Anblick eines ausgelaugten jungen Mannes am Ende seiner Schaffenskräfte. Auch manch anderer Musiker war am Ring nicht recht in Form: Marilyn Manson verzichtete auf eine weitere Aufführung seines Theaters des Grauens – ohne Schnörkel, Schnickschnack und bildlastige Inszenierungen blieb ein durchschnittlicher bis solider Auftritt. Und manch enttäuschter Fan, der sich unter einem Late-Night-Special anderes erhofft hatte als Ansagen wie „Deutschländ, Deutschländ“ und „Ich bin Marilyn Manson und ich mag Drogen“.

"Rock am Ring" und "Rock im Park" - die besten Bilder:

Die besten Bilder von "Rock im Park" und "Rock am Ring"

Die Guano Apes setzten auf die anatomischen Vorzüge von Bassist Stefan Ude, der die Hosen runterließ, und hielten das Mikro ein ums andere Mal ins Publikum. Beth Ditto von Gossip kletterte ein ums andere Mal ins Publikum und ließ sich von den Fans, die respektvoll eine Schneise bildeten, mit Blumenkränzen, Hüten und einer silber-goldigen Rettungsdecke gegen die Kälte beschenken. Letztere funktionierte Ditto gerührt zur Stola um und sang noch aus dem Zuschauergraben heraus, als auf der Bühne bereits abgebaut wurde. „Hello, I’m Lilly von Motörhead“, scherzte die pfundige Frontfrau und verwies somit auf den späteren, wie stets souveränen Auftritt des von ihr sehr geschätzten Lemmy Kilmister.

Zu Recht frenetisch gefeiert wurden Evanescence, von deren ursprünglicher Besetzung nach Trennungen und Umbesetzungen nur noch Sängerin Amy Lee übrig geblieben ist. Ausstaffiert als dunkle Prinzessin präsentierte sich die Ausnahmestimme, die früher mit wüster Schminke und Punk-Outfit punktete, mit ausgereiften Sounds und Arrangements, wobei alte Hits wie „Fallen“ natürlich nicht fehlen durften.

Metallica, Stammgäste bei Rock am Ring, zündeten einmal mehr ein krachendes Feuerwerk samt Lasershow und rückten so ihr neues Album „Beyond Magnetic“ ins Rampenlicht – sehr zum Leidwesen der Hives, die zu später Stunde in hoffnungslose Konkurrenz zu den Mannen um James Hetfield traten.

Feiert Rock-am-Ring-Veranstalter Marek Lieberberg, sind die Toten Hosen nicht weit. Sie drückten ihm bereits zum Ring-Geburtstag eine Torte ins Gesicht und feierten diesmal sich selbst: 30 Jahre Bühnenjubiläum waren ihnen gleich zwei Gigs wert. Einer wurde so geheim gehalten, dass die meisten Fans das Gelände bereits verlassen hatten als in den frühen Morgenstunden des Samstags dann doch noch „An Tagen wie diesen“ erklang. Volksnah sei so eine Geheimnistuerei ja nicht gerade, meuterte da mancher Musikfreund, der sich an Zeiten erinnerte, da die Hosen unvermittelt außerhalb des Geländes von einem Lkw-Anhänger aus die Fans rockten. Offiziell gefeiert wurde jedenfalls mit allen am Sonntag, dem Tag, da der Regen an den Ring kam. Ein mindestens ebenso zuverlässiger Ring-Besucher, der ebenfalls stets für Überraschungen gut ist.

Quelle: wa.de

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