Metal-Gipfeltreffen: „The Big Four“ in Gelsenkirchen

Metallica-Frontmann James Hetfield in Gelsenkirchen ▪

Von Tim Griese ▪ GELSENKIRCHEN–Als die Lichter ausgehen und die ersten Töne von „The Ecstasy of Gold“ erklingen, weiß jeder in der Gelsenkirchener Arena Bescheid. Ennio Morricones Titelmelodie und die auf Leinwänden eingespielten Filmszenen aus Sergio Leones Italo-Western „Zwei glorreiche Halunken“ sind Teil eines jeden Metallica-Konzerts. Genauso wie eine umfangreiche pyrotechnische Show mit dutzendfach senkrecht hochgeschossenen Feuersalven und donnernden Explosionen. Auch bei der „Big-Four“-Tour mit Slayer, Megadeth und Anthrax verzichtet die Band darauf nicht. Ihr Auftritt soll der Höhepunkt des Abends werden. Dazu gehören eben schwere Geschütze.

Gelsenkirchen ist auf der Tournee der vier musikalisch einflussreichen amerikanischen Thrash-Metal-Bands die erste Europa-Station und der einzige Gig in Deutschland. Sechs Stunden Heavy Metal sind angesagt, ein straffes Programm ist unumgänglich. Deswegen wird – zunächst – auf großen Schnickschnack verzichtet.

Wenn mehrere Bands das Line-Up bestreiten, haben es die ersten besonders schwer. Das ist diesmal das New Yorker Quintett Anthrax, das in einer noch recht übersichtlich besetzten Arena aufspielt. Viele Besucher stehen da noch in langen Schlangen vor dem Stadion und warten auf Einlass. Und mit rund 40 Minuten haben Anthrax auch nicht besonders viel Zeit, um die Zuhörer in Schwung zu bringen. Mit zehn Songs, darunter „Caught in a Mosh“, „Madhouse“ und die Cover „Got the Time“ von Joe Jackson und Trusts „Antisocial“, gelingt es ihnen dennoch.

Schwächste Band des Abends sind Megadeth. Das kalifornische Quartett um Frontmann Dave Mustaine rattert sein Programm förmlich herunter. Ein paar nette Worte an die Fans gibt es dann auch erst nach gut einer halben Stunde. „We keep the same thing going“, sagt Mustaine ein wenig schläfrig, aber immerhin mit einem zarten Lächeln auf den Lippen. Dabei wirkt er wie eine jüngere Version von Ozzy Osbourne. Dann wird stoisch weiter gemacht. Leider ist der Sound durchweg matschig und der Gesang bisweilen nur mit Mühe herauszuhören. Artiger Beifall sorgt schließlich für einen versöhnlichen Abgang.

Leichter haben es Slayer. Vor fast vollbesetztem Haus und einer beachtlichen Fanschar outen sich die Luftgitarristen, werden auf den Tribünen reihenweise und ausgiebig Mähnen geschüttelt, während die Metalfinger gen Stadiondach gereckt werden.

Das ändert sich auch bei Metallica nicht. Mehr noch: Im jetzt mit rund 57 000 Zuhörern dicht besetzten Stadion verkommen die anderen Bands mit einem Mal zu so etwas wie Vorgruppen, die für den Headliner alles vorbereitet haben. Die Band um James Hetfield und Lars Ulrich spielt als einzige in rund zwei Stunden ein komplettes Set und liefert dabei eine große Show.

Metallica zeigen sich in Höchstform. Ulrich hält es kaum hinter dem Schlagzeug. Immer wieder springt er auf und bearbeitet sein Instrument stehend. Robert Trujillo schleudert seinen Bass um die eigene Achse, Kirk Hammett brilliert gewohnt an der Gitarre, und auch Frontmann James Hetfield hat viel Spaß. Klassiker wie „Master of Puppets“, „Sad but True“ und „For Whom the Bell Tolls“ gehören ebenso zur Setlist wie das etwas jüngere „The Memory Remains“, „One“, in dem das Stadion durch massives Feuerwerksgetöse regelrecht zum Kriegsschauplatz wird, und natürlich „Enter Sandman“. Weil der Thrash-Faktor im Vordergrund steht, wird auf ruhige Nummern verzichtet.

Zum Finale holen sich Metallica die anderen Musiker auf die Bühne. Gemeinsam spielen sie das Diamond-Head-Cover „Helpless“, ehe mit „Battery“ und „Creeping Death“ der Metal-Musikmarathon in Gelsenkirchen ein mehr als angemessenes Ende findet.

Quelle: wa.de

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