Mehr als der komische Dicke: Zum Tod von Dirk Bach

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Ein großer Entertainer: Dirk Bach im Musical „Kein Pardon“ in Düsseldorf ▪

BERLIN - Die meisten Menschen denken bei Dirk Bach zuerst an seine schrillen Auftritte in der RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. In schrill gemusterten Hemden und Tropenhelm mit Vogelapplikation machte er sich im munteren Doppel mit Sonja Zietlow über die B- und C-Promis lustig, die in der australischen Pseudowildnis bei Bohnen und Kakerlaken aushielten – oder auch nicht.

Von Ralf Stiftel

Schrill war er gewiss. Aber man sollte den Schauspieler, der gestern tot in einer Wohnung in Berlin-Lichterfelde aufgefunden wurde, nicht auf diese Auftritte reduzieren.

Dieser Mann konnte viel mehr. Das sah man schon in Düsseldorf, wo er in der Musicalfassung von Hape Kerkelings Film „Kein Pardon“ den widerwärtigen Entertainer Heinz Wäscher mimte, durchaus mit nachdenklichen Zwischentönen. Und im nächsten Moment kam er im Fummel zurück als Schlagerkönigin Uschi Blum. Mitreißend. Es war seine letzte große Bühnenrolle. Wenige Tage vor der Premiere des Stücks „Der kleine König Dezember“ am Berliner Schlosstheater ist er nun gestorben.

Bach, 1961 in Köln geboren, hatte zwar keine Schauspielausbildung. Aber er hat seine erste Rolle 1978 in Hansgünther Heymes Inszenierung von Heiner Müllers „Prometheus“ gehabt. 1985 erhielt er den Max-Ophüls-Förderpreis. 1992 bekam er ein festes Engagement beim Kölner Schauspiel, wo er zum Beispiel in Marlene Streeruwitz‘ Stück „Waikiki Beach“ einen sadistischen Faschistenführer verkörperte, leise, elegant, bedrohlich.

Er war eben nicht nur der komische Dicke im bunten Hemd, obwohl er auch das perfekt konnte. RTL wird nie Probleme haben, Kandidaten für das Dschungelcamp zu finden. Aber Ersatz für diesen Mann, der mit seiner schieren Präsenz alle überstrahlte und seine Gemeinheiten so präzise platzierte?

Comedy, klar, das war sein Fach. Er hatte, ab 1992, die „Dirk Bach Show“ mit Sketchen. Er besuchte später Cordula Stratmann in der „Schillerstraße“. Und er hatte ja seine eigene Impro-Show „Frei Schnauze XXL“ (2006–2008). Aber zuvor hatte er schon beim ZDF die Titelrolle in der Sitcom „Lukas“, in der er einen Schauspieler und alleinerziehenden Vater einer pubertierenden Tochter mimte.

Er war ja auch familientauglich, spielte von 2000 bis 2007 in der „Sesamstraße“ den kleinen Zauberer Pepe. Lang ist die Liste seiner Filme, und längst nicht alle sind geglückt, man denke nur an seinen Auftritt als „Urmel“ in einer Neufassung mit Comedians statt Puppen für Sat.1. Es zog ihn immer wieder auch ans Theater, er trat bei den Nibelungen-Festspielen in Worms auf und bei den Dresdner Zwingerfestspielen.

Auch privat war Dirk Bach mehr als nur ein Gute-Laune-Typ. Er engagierte sich in vielen Lebensbereichen. So forderte er die völlige Gleichberechtigung von Homosexuellen, auch im Eherecht. Er warb für die Aids-Vorsorge, unterstützte Amnesty International und die Tierschutzorganisation Peta. Und so wurde er nicht nur für berufliche Erfolge geehrt, zum Beispiel mit dem Deutschen Comedypreis und der Goldenen Kamera, er erhielt auch den Humanitarian Award und andere Auszeichnungen für sein gesellschaftliches Engagement.

Quelle: wa.de

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