McDonaghs „Enthandung in Spokane“ am prinz regent theater Bochum

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Schräge Pointen: Szene aus McDonaghs Stück mit Stephen Appleton, Martin Molitor und Annina Hellenthal. ▪

Von Edda Breski ▪ BOCHUM–Dieser Mann im bärlauchgrünen Trench ist ein ganz Harter. Vor 27 Jahren hat er seine Hand verloren. Wie, ist nicht genau klar, er selbst erzählt eine Räuberpistole von Hinterwäldlern, die ihm die Hand auf Gleise gedrückt haben, bis ein Zug sie abtrennte. Seitdem sucht er das Körperteil, im Schlepptau einen Koffer. Voller Hände.

Vier Menschen im Hotel, jeder ist irgendwie gestört: ein vertrautes Motiv. Martin McDonaghs Stück „Eine Enthandung in Spokane“ entwickelt daraus eine Art „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf pulp-fiction-Niveau: mit Händen, aber ohne feine Manieren. McDonagh hat das Drehbuch für den Film „Brügge sehen und sterben” geschrieben. Seine „Spokane”-Geschichte ist am prinz regent theater in Bochum zu sehen.

Mr. Carmichael – gespielt von Martin Molitor, der auch die Übersetzung besorgte – hat ein Durchschnittsgesicht, in das Empörung geschrieben steht. Er spricht in Kurzsätzen. „Es ist meine Hand. Ich will sie wiederhaben.” „Klingt fair”, meint Mervyn, der Rezeptionist, der sich auch gerne anhören würde wie ein   Held   aus   der     Hard-

boiled-Literatur. Er hat eine Fixierung auf Gibbons und eine gescheiterte Laufbahn als Drogendealer hinter sich. In einem absurden Monolog phantasiert Mervyn, wie gerne er mal was erleben würde: Toll wäre, wenn er wieder in der Schule wäre und so einen Amoklauf mitbekäme; er könnte ein paar Leute retten und zum Helden werden. Franz Lenski wieselt steifbeinig, mit aufgerissenen Augen, in die Auseinandersetzung zwischen Carmichael und einem Pärchen, das versucht, ihm eine Hand zu verkaufen. „Die Hand eines Niggers“, mault Carmichael.

Es wird eine ganze Menge geflucht. Vor allem, als Carmichael das Pärchen – Toby, den Black-Panther-Anhänger, und Marilyn, das Dummchen mit blonder Perücke – an die Zimmerheizung fesselt und mit Benzin übergießt. Toby, ein farbiger Typ mit Tom-Selleck-Schnurrbart und Ledermantel, wäre auch gern hart, heult aber ständig, besonders wenn seine Freundin ihn schlägt. „Schwuchtel“, urteilt Carmichael. Marilyn ist eine Prolo-Bonnie mit Lolly und Fuchtelgesten. „Du hast es versaut, handmäßig“, schimpft Toby. Marilyn kontert: „Wir verkaufen keine Hände, Mann, wir verkaufen Gras.“ Stephen Appleton und Annina Hellenthal schwanken zwischen Slapstick und schwarzer Beziehungskomödie.

Regisseur Christoph Wehr verlässt sich stark auf den Text mit seinen gelegentlichen Schockwirkungen, die hauptsächlich aus politischer Unkorrektheit und einer Menge Schimpfwörter generiert werden. Die Genreparodie ist böse, wird zum Ende hin aber langatmig. Wenn schon schwarzer Humor, dann darf es auch gleich völlig absurd sein.

Dass die Freakshow eigentlich ganz schön traurig ist, vermittelt Franz Lenski als Mervyn, hinter dessen aufgerissenen Augen Einsamkeit erkennbar wird.

2.,3.3., 3., 4., 21., 22.4.,

Tel. 0234/77 11 17,

http://www.prinzregenttheater.de

Quelle: wa.de

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