Matthias Schweighöfer in „Schlussmacher“-Komödie mit Milan Peschel

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Das ungleiche Duo aus der Komödie „Schlussmacher“: Matthias Schweighöfer (rechts) und Milan Peschel. ▪

Von Achim Lettmann ▪ „Das Ende ist auch immer wieder ein Anfang“, sagt Paul und erledigt seine Aufgabe zielstrebig und smart. Katharina ist die Trennung von ihrem Thorsten zu unangenehm, deshalb muss Paul von der Agentur Happyend ran. In der Komödie „Schlussmacher“ wird stilvoll abserviert.

Schlussmacher ist in diesem Fall Matthias Schweighöfer, der als blonder Liebeskiller nicht nur ausführt, sondern im Fall Thorsten („Toto“) auch mal interveniert. „Kinder können nicht glücklich sein, wenn Eltern nicht glücklich sind“, säuselt er, und Katharina (Nadja Uhl) stimmt irgendwie zu. Der Auftrag aber kam von ihrem Vater, der sich ins Privatleben der Tochter einmischt. Oh je.

Aus der krautigen Sachlage entwickelt sich eine typisch deutsche Komödie, die im Kino wieder mehr Kredit genießt. Ob „RubbeldieKatz“ von Detlev Buck (auch mit Matthias Schweighöfer), „What a Man“ von und mit Matthias Schweighöfer oder den Produktionen Til Schweigers („Zweiohrküken“, „Kokowääh“) und „Bully“ Herbigs („Wicki und die starken Männer“), das deutsche Unterhaltungskino lockt Millionen in die Lichtspielhäuser. Und „Schlussmacher“ setzt nach.

Leider polieren auch Matthias Schweighöfer und Drehbuchautor Doron Wisotzky („What a Man“) alte Amüsierkonzepte auf, mit denen sogar die Beziehungskomödie Anfang der 90er Jahre auf Quote kam. Im „Schlussmacher“ ist ein ungleiches Paar der Brüller. Denn Paul von der Happyend-Agentur muss sich mit Toto beschäftigen, weil der ohne Katharina anhänglich ist und Pauls Wagen fährt. Milan Peschel verkörpert diese emotionale Klette, die mit Zimmerpalme, Bettzeug und zahllosen Marotten mitzieht. Wie Toto dann Pauls Trennungsgeschäft unterwandert, ist solide Komödienarbeit und ein herrliches Typenporträt.

Peschel, Allrounder in der Berliner Film- und Theaterszene, lässt Schweighöfer öfter blass aussehen. Der liebenswerte Chaot bohrt zielsicher („Ist doch eigentlich traurig, Leute zu trennen“) und sorgt zum Ende sogar für Erkenntnis: „Liebe ist nichts für Feiglinge“.

Paul kommt mit seinen eigenen Gefühlen natürlich nicht klar. Catherine De Léan spielt eine rationale und sinnliche Natalie, die der ganzen Geschichte viel Wahrhaftigkeit gibt, und ihren Freund Paul herausfordert. Schweighöfer wandelt sich vom Yuppie zum jungen Mann mit echten Absichten, der aber noch niedlich bleiben muss. Seinem Sonnyboy-Image ist der Jungstar schon verpflichtet.

Für Klamauk sind zwei Rezeptionisten in einem Frankfurter Hotel zuständig, die sich gezielt verbabbeln. Die Filmförderung macht solche dramaturgischen Intros möglich, da der Film „Schlussmacher“ Geld einer Bank des Landes Hessen erhielt. Auf der Deutschlandtour, die Paul und Toto abfahren, ist außerdem viel Platz für prächtige Landschaften und Produktplacement. Mercedes darf frische Modellreihen präsentieren.

Es wird also geklotzt, Action an einer Talsperrenmauer und Verfolgungen zählen dazu. Paul gibt einen Auftrag an Toto weiter, weil er mit einer fülligen Frau in einer Disco nicht fertig wird. Sie soll beim Liebesakt überführt werden. Toto, ehemaliger Tänzer, macht den „Daddy Cool“ und leitet fulminante Jagdszenen ein. Milan Peschel ist auch für die Portion Ekel zuständig, wenn er seine Schlafprobleme mit einer Partnerübung bearbeiten will und Paul benutzt. Seine vulgäre Note hat etwas Animalisches, das an das Faultier Sid aus der Kinoreihe „Ice Age“ erinnert. Komikprofile werden im Kino abgekupfert.

Die heiße Nacht mit zwei Lesben („Der ist doch nett“) fällt dann erneut ins deutsche Komödiensortiment, wo sexuelle Irritationen als Stimmungsmacher eingesetzt werden.

Ein russischer Vater ballert noch hinter Paul her, und ist auf der Stationen-Tour die schwächste Trennungsnummer. Aber zum Ende geht alles in Freundschaft und Liebe auf. Kitschig und gelungen.

Der Film

Deutsche Komödie, altmodisch, aber mit dichter Geschichte und herrlichem Antihelden.

Regie: Matthias Schweighöfer

Darsteller: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Nadja Uhl, Catherine De Léan

Dauer: 110 Minuten

Wertung: +++oo

Quelle: wa.de

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