Das Marta in Herford zeigt die Ausstellung „Asche und Gold“

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Eine Grabkammer, die ihren Schöpfer zu Lebzeiten verherrlichte: „The Death Of James Lee Byars“, zu sehen in Herford. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HERFORD–Der Glanz überwältigt: Man steht vor einem mächtigen Quader, der ganz mit Blattgold ausgekleidet ist. Unendlich kostbar sieht das aus und archaisch wie die Grabkammer eines vorzeitlichen Fürsten. Dabei sieht der Besucher des Museums Marta in Herford nur die Überreste des eigentlichen Werks, die Bühne der Inszenierung „The Death Of James Lee Byars“. Der an Krebs erkrankte US-Künstler (1932-1997) nahm 1994 in einem Happening, bei dem er sich in seinen Goldraum bettete, den eigenen Tod vorweg.

Gold adelt und veredelt. Es ist der Stoff des Reichtums, materialisierte Sonne, ein Element voller Mythen und Fantasien. Ähnlich steht es mit Asche, dem schäbigen Rest, der von allem bleibt. Schon der Ausstellungstitel „Asche und Gold“ löst bei praktisch jedem Assoziationen aus. Museumsdirektor Roland Nachtigäller freut sich mit Grund über den Griff. Noch nie gab es eine Ausstellung, die die Verbindung dieser Materialien zum Thema machte. Anne Schloen, die mit Michael Kröger die Schau kuratierte, gab mit ihrer Dissertation über Gold in der Kunst des 20. Jahrhunderts den Anstoß dazu. Nun nimmt das Marta uns mit auf eine Weltenreise mit rund 100 Werken zeitgenössischer Künstler wie Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Yves Klein, Gerhard Richter, Andy Warhol.

Der französische Künstler Yves Klein hat zwischen 1959 und 1962 in einer Kunstaktion Gold und Asche unmittelbar zusammengebracht. Er verkaufte „Zonen immaterieller malerischer Sensibilität“ an Sammler, die dafür mit Gold bezahlen mussten. Dafür erhielten sie eine Quittung, einen materiellen Nachweis ihrer Erwerbung, den sie auch verkaufen konnten. Dabei allerdings ging der „authentische immaterielle Wert“ des Kunstwerks verloren. Wenn sie aber die Quittung verbrannten, also in Asche verwandelten, gelangten sie endgültig in den Besitz. Und Klein honorierte das, indem er die Hälfte des erhaltenen Goldes unter Zeugen ins Meer oder in einen Fluss warf. Wo Gold im Spiel ist, geht es gleich auch um Handel oder Wirtschaft.

Die Ausstellung zeigt im Video einer Performance von Joseph Beuys eine ähnliche Transformation. 1982 schmolz er bei der documenta 7 in Kassel die Replik der Zarenkrone Iwans des Schrecklichen ein und goss aus dem Gold die Skulptur eines Hasen. Aus dem Machtsymbol wurde ein demokratisches Friedensbild. Und Rebecca Horn macht in ihrer Installation „Goldrush“ (1985) Erregung sichtbar: Sie hängt einen Goldbarren vor die Wand, bringt darüber eine Mechanik mit Kohlestäben an. Sind Menschen im Raum, löst ein Bewegungsmelder die Mechanik aus, ein Kohlestab schlägt auf die anderen und schwarze Krümel fallen auf das Gold. Ein luzides Bild von der zerstörerischen Ausstrahlung des Metalls.

Aber Nachtigäller betont, dass die Schau nicht eine Theorie, eine These bebildern soll. Jedes Kunstwerk steht für sich. Gemeinsamkeiten, verbindende Ideen sollen sich erst im Nachhinein ergeben, wenn überhaupt. Und so gibt es ebenso Arbeiten, in denen das Gold nicht dazu dient, Reichtum zu bebildern. Yves Kleins monochrome Bilder sind ein Beispiel dafür: Im „Triptychon von Krefeld“ (1961) steht die goldene Tafel neben einer roten und einer blauen, eine Farbe wie andere auch. Ähnlich geht Andy Warhol vor in seinem frühen Blatt, das ein Stillleben und ein Frauenporträt kombiniert und die Zeichnungen als Blattgoldrelief verdoppelt. Obwohl diese Arbeit auch auf mittelalterliche Altartafeln anspielen mag, in denen der kostbare Goldgrund die Heiligkeit des Dargestellten unterstrich.

Natürlich stehen die Stoffe im Dialog. Um zu James Lee Byars' Goldkammer zu gelangen, müssen die Besucher Gereon Krebbers monumentale Installation „As If There Was A Tomorrow“ (2011) durchschreiten, ein Gerüst aus verkohlten Balken, bis zu vier Meter hoch, das ein schwarzes Labyrinth ergibt. Auch vor dieser Architektur denkt man an ferne Vergangenheit und Tod – und an die Gewalt des Feuers, das am Holz gewütet hat.

Auch die Asche hat ihre magischen Qualitäten. Jannis Kounellis arrangiert an einer Wand einen Steinstapel und färbt darüber die Wand mit Rauch ein, am oberen Rand ist eine Holzpalette befestigt (o.T., 1980). Sehen wir ein Opferfeuer dargestellt, das die Kunst zu den Göttern erhebt? Errichtete der Künstler einen Ritualplatz? Viele Künstler „malen“ mit dem Ruß einer Flamme, schaffen „fumages“. Einer der ersten war der österreichische Künstler Wolfgang Paalen (1905– 1959), dessen Bild „Lutin Cedré“ (1938) an Höhlenmalerei erinnert. Mit dünn aufgetragener Asche zeichnet der Kroate Igor Eskinja das Muster eines gefliesten Bodens ins Museum, eine flüchtige Erinnerung an so etwas Dauerhaftes wie Architektur.

Immer wieder bezaubert diese Schau mit sinnlichen Momenten. So inszeniert Luka Fineisen einen Goldsturm mit winzigen Flittern in einem Glaskasten. Und gleich am Anfang findet der Besucher einen Goldhaufen, scheinbar achtlos in eine Raumecke geschüttet. Es sind freilich in Goldfolie verpackte Bonbons, eine Installation des kubanischen Künstlers Félix González-Torres. Man darf sogar zugreifen. Nicht immer gehört zum Gold der Geiz.

Die Schau

Künstler hantieren mit zwei Stoffen, die mit Bedeutung und Mythen aufgeladen sind: Asche und Gold – Eine Weltenreise im Museum Marta, Herford. Bis 22.4., di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 05221/ 99 44 300, http://www.marta-herford.de,

Katalog, Wienand Verlag, Köln, 25 Euro, im Buchhandel 29,80 Euro. Die Schau ist vom 13.5. bis 19.8 im Museum Schloss Moyland zu sehen.

Quelle: wa.de

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