„Mario“ bietet Kammeroper mit Puppen in Wuppertal

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Stets sichtbar bleibt Puppenführer Günther Weißenborn bei der Oper „Mario“ in Wuppertal. ▪

WUPPERTAL.Mit beachtlichen Kraftanstrengungen demonstrieren die von katastrophalen Kürzungen bedrohten Wuppertaler Bühnen ihre Daseinberechtigung. Im Musiktheater stemmt man spektakuläre Großprojekte wie Martinus „Griechische Passion“ und Wolfgang Rihms „Proserpina“, beschreitet daneben jedoch auch ungewohnte Wege in kleineren Dimensionen. Zusammen mit „Müllers Marionettentheater“, einer seit 25 Jahren ebenso aktiven wie ambitionierten Puppenbühne, wurde jetzt im Kleinen Schauspielhaus „Mario“ aus der Taufe gehoben, eine Kammeroper für einen Sänger und für Spielpuppen, die interessante dramaturgische Perspektiven eröffnet. Von Pedro Obiera

Günther Weißenborn, ehemaliger Dramaturg an der Deutschen Oper am Rhein und zusammen mit seiner Frau Ursula Leiter der Wuppertaler Marionettenbühne, gab eigens für das knapp 50-minütige Werk eine Novelle bei dem russischen Schriftsteller Sergej Georgijew in Auftrag, die er zu einem in jeder Hinsicht originellen Libretto verarbeitete. Die Musik schuf der an der Wuppertaler Musikhochschule tätige Komponist Lutz-Werner Hesse.

Mario ist ein Junge mit besonderen gesanglichen Gaben. Mit seiner Stimme kann er den Mond zum Zerspringen, Blumen zum Blühen und zum Welken bringen, tropische Landschaften und menschenfeindliche Eiswüsten schaffen. Dabei begegnet er verschiedenen Figuren mit ähnlichen Problemen, bis er am Ende das Volk von einem Ungeheuer befreit und zum Starsänger avanciert.

Eine poesievolle und differenzierte Adaption des Orpheus-Mythos, die sich in ihrer Ambivalenz zwischen schlichter Rührung und strenger Stilisierung ideal für den Einsatz von Puppen eignet. Puppen, die in vielfältigen Formen erscheinen: als traditionelle Marionetten, als lebensgroße Stabpuppen oder als schemenhaft verschleierte Gestalten, wobei mit wenig äußerem Aufwand, dafür aber mit umso mehr Lichteffekten, Stoffen und Fantasie gearbeitet wird. Die Puppenführer, Ursula und Günther Weißenborn, sind immer präsent. Ebenso der exzellente Bariton Thomas Laske, der die Geschichte hinter der kleinen Bühne auf einem sichtbaren Podest singt und den Figuren ihre Stimmen gibt.

Die Musik von Lutz Werner Hesse für das siebenköpfige Instrumentalensemble und einen Sänger ist ähnlich einfach gestrickt wie die Bewegungsabläufe der Puppen. Eine bisweilen minimalistische Motorik unterstreicht die abstrakte Distanz. Eine gewiss nicht genialische, aber treffsichere Klangkulisse für die Fantasiewelt auf der Bühne. Zudem ein dramaturgischer Ansatz, der sich ausbauen ließe.

Eine Kammeroper für einen Sänger und für Spielpuppen, die interessante dramaturgische Perspektiven eröffnet.

„Mario“ nach der gleichnamigen Novelle von Sergej Georgiev im Kleinen Haus des Wuppertaler Schauspielhauses.

4. und 5. Mai

Tel.: 0202/5694444

http://www.wuppertaler-buehnen.      de

Quelle: wa.de

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