Margret Eicher und Hans Steinbrenner in Ahlen

Mit den Bilderklischees der Weiblichkeit spielt Margret Eicher in ihrer Werkreihe „Tussi-Recherche“, zu sehen in Ahlen.

Von Marion Gay AHLEN - „Spät, immer später (Wieder kein Kondom genommen, noch jubeln wir uns zu)“ – zu lesen auf dem Plakat mit Isabella Rossellini. Sie trägt drei Diamantringe und lächelt ein bisschen debil. Die Arbeit aus der Serie „Tussi-Recherche“ (2000) entwickelte Margret Eicher zusammen mit dem Schriftsteller Dieter M. Gräf.

Das Kunstmuseum Ahlen präsentiert die interessante Werkschau „Patterns of Violence“ der in Mannheim lebenden Künstlerin im Rahmen der Ausstellungsreihe „Intermezzo 2014“. Rund 30 Arbeiten dokumentieren die künstlerische Entwicklung Eichers der letzten 20 Jahre, von den Copy Collagen aus den späten 90er Jahren über die Serie „Tussi-Recherche“, der ersten digitalen Werkreihe von Anfang der 2000er Jahre, bis hin zu den aktuellen Bildteppichen.

Die 1955 in Viersen geborene Künstlerin sammelt in ihrem Archiv Bilder aus Illustrierten und dem Internet. Sie kombiniert Fotografien von Stars (Models, Schauspieler, Sportler oder Politiker) mit Bildern des aktuellen oder historischen Tagesgeschehen oder Filmszenen und kommt so zu neuen, ironischen Bildaussagen.

Besonders beeindruckend sind die neuesten Arbeiten, die großformatigen Tapisserien, die auf den ersten Blick wie verblichene Wandteppiche aus der Renaissance wirken. Eicher digitalisiert ihre Bildvorlagen und vermischt sie per Computer. Das zentrale Bild wird umrahmt von üppigen Bordüren voll mit historischen und aktuellen Elementen. Da treffen alte Herrschaftssymbole wie Falken, Löwenköpfe oder Eichenblätter auf Mangafiguren und Soldaten.

Die Tapisserien werden als industrielle „Fälschungen“ in Belgien hergestellt, das neben Frankreich das Ursprungsland der klassischen Tapisserie und heutiger Souvenir-Repliken ist. War der Wandteppich früher ein Zeichen von Aristokratie, Macht und Bildung, nutzt Eicher ihn, um die alltägliche Bilderflut zu untersuchen. Ihre Arbeiten zeigen, dass unsere Medienbilder ähnlich wie historische Motive vor allem Machtstrukturen darstellen. Beispielsweise blicken die vier riesigen Unterwäsche-Models wie Gottheiten auf die Nachrichtensprecher hinab, die gefangen in ihren Käfigen aus Monitoren sitzen („Titanen 2“, 2009).

Parallel präsentiert das Kunstmuseum rund 65 Arbeiten aus allen Schaffensphasen von Hans Steinbrenner (1928–2008). Es ist die erste Werkschau, in der Skulpturen des Frankfurter Bildhauers im Kontext seines weniger bekannten grafischen und malerischen Oeuvres zu sehen sind. Anlass für die Schau, eine Kooperation mit der Galerie Scheffel aus Bad Homburg, ist die Schenkung der Skulptur „Figur, 1983“ an den Förderkreis des Kunstmuseums.

Während die Zeichnungen aus den 50er Jahren noch amorphe Strukturen zeigen und die frühe Holzskulptur „Daphne“ (1959) organisch-geschwungen im Raum steht, findet Steinbrenner in den 60ern zu der geometrisch-konstruktiven Formensprache, die von da an sein Werk beherrscht. Dabei bearbeitet er seine Holzstämme und Steinblöcke immer mit Werkzeugen per Hand, die Formen sind aus einem Stück herausgearbeitet, nie aneinandergefügt.

Auch wenn Steinbrenner seine Skulpturen „Figuren“ nennt, verweist er damit nicht auf die menschliche Figur, sondern auf den Prozess des „Figurierens“, der Ausformung des inneren Bildes in der stofflichen Wirklichkeit. Arbeiten wie „Figur, 1994“ ruhen architektonisch klar und spannungsvoll ausbalanciert in sich. Reduziert und ausgewogen auch die Kompositionen aus blauen und schwarzen Rechtecken auf Leinwand, denen sich der Künstler in den letzten 40 Jahren immer wieder gewidmet hat.

Gleichzeitig zeigt das Museum eine Auswahl Gemälde und Grafiken von Künstlern wie Adolf Luther, Fritz Winter und Günther Uecker aus seiner Sammlung.

Eröffnung Steinbrenner Samstag, 17. Mai, 17 Uhr

Eröffnung Eicher Sonntag, 18. Mai, 11 Uhr

Beide bis 3. August

di – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog Eicher 25 Euro

Quelle: wa.de

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