Manu Chao begeistert tausende Fans im Kölner Tanzbrunnen

+
Manu Chao begeisterte in Köln.

Köln - Lachend ins Publikum geworfene Handküsse und die geballte Faust als Zeichen gegen die Unterdrückung. Das sind die Signale, die Manu Chao am Montagabend seinem Publikum im mit 8000 Fans ausverkauften Kölner Tanzbrunnen entgegenstreckt.

Der 53-jährige Weltmusiker steht wie kaum ein anderer populärer Musiker für die Vision von einer geeinten Welt, die ein besserer Ort sein sollte als sie es tatsächlich ist. Chao war 1998 ein Gründungsmitglied bei den Globalisierungsgegnern von Attac und er greift auch musikalisch Konzerne wie einen umstrittenen Saatgut-Hersteller („Monsanto“) an.

Manu Chao liefert zu Beginn seiner kurzen Deutschland-Tournee ein umjubeltes Open Air-Konzert ab. Seine Fans sind gekleidet in allen Farben des Regenbogens und stammen aus allen Altersklassen – es ist ein Treffpunkt einer irgendwie als linksalternativ zu bezeichnenden Szene. Die verbreitet ihre politischen Botschaften mit selbst gemalten Plakaten. Dazu ziehen Haschisch-Duftnoten durch das wild tanzende Publikum. Das wird von der sechsköpfigen, ebenfalls außer Rand und Band geratenen Gruppe vom ersten Ton an in den Bann gezogen.

Mit sanfter Stimme

Manu Chao, in Paris geborener Weltbürger, trägt die Songs mit seiner sanften Stimme, die so gar nicht zu seinen kraftvollen Botschaften passt. Ein Bassist, der aussieht wie ein Hooligan-Brecher, übernimmt deswegen das zwischenzeitlich nötige Schreien. Dazu kommen ein Gitarrist sowie Schlagzeuger Santiago Casiriego aus gemeinsamen Zeiten bei Manu Negra (der Band, deren Kopf Manu Chao bis zur Auflösung 1994 war) sowie zwei Bläser, die im Dauereinsatz Hochdruck für die Tanzwütigen erzeugen.

Manu Chao begeistert 8000 Fans im Kölner Tanzbrunnen

Es ist eine extrem druckvolle und physische Musik. Einzelne eingängige Songstrukturen und Mitsing-Passagen tauchen im Laufe des zweistündigen Konzertes mehrfach auf. „Bongo Bong“ und „Me Gustas Tu“ werden nur für zwei Minuten in anderen Liedkontexten verwendet; „Politik Kills“ und „Machine Gun“ werden einer treibenden Einheit verwoben. Chao verbreitet Parolen und singt auf Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Arabisch und Portugiesisch – häufig in ein und demselben Lied. Er lebt halt im „Casa Babylon“, wie ein Songtitel heißt. Stilistisch setzt sich die Musik aus Punk, Rock, Rap, Ska, Reggae und auch aus Rumba, Flamenco, dem algerischem Raï sowie anderen Traditionen aus Afrika und Lateinamerika zusammen. 2007 produzierte er zuletzt ein Album („La Radiolina“).

Songs über Solidarität

Aber auch Songs von den Erfolgsalben „Clandestino“ (1998) und „Próxima Estación: Esperanza“ (2001) werden eingebaut, genauso wie alte Manu-Negra-Songs. In „Vida Tombola“ verbeugt sich die Band vor dem Fußballer Diego Maradona. Manu Chao tippt soziale Themen wie die Legalisierung von Drogen („Bienvenida A Tijuana“), Immigration, Rassismus und Solidarität an – aber auch Liebenslieder sind dabei. Als nach etwas mehr als zwei Stunden wegen der Lärmschutz-Bestimmungen Schluss ist, wollen dies die Fans einfach nicht wahr haben. Sie singen den Refrain von „Loi Loi“ immer weiter und weiter – bis auch sie sich der Obrigkeit beugen und widerwillig nach Hause gehen.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare