Malou Airaudo zeigt „Irgendwo“ in Bochum

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Die Kisten spielen mit: Szene aus der Choreografie „Irgendwo“ am Schauspielhaus Bochum. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ BOCHUM–Es gibt wieder Tanz am Schauspielhaus Bochum. 15 Jahre nach der Schließung der Sparte führt der neue Intendant Anselm Weber sie wieder ein, und wie.

Er kooperiert mit Renegade, einem Ensemble der freien Szene, das vor allem „Street Art“ pflegt, als die Ausdrucksformen der Straßenkunst wie Hip-Hop und Graffiti. Die erste Choreografie dieser Residenz stammt von Malou Airaudo, die lange Jahre Solistin in Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater war. Und so fusioniert „Irgendwo“ Grundelemente von Bauschs Inszenierungen mit Elementen jüngerer Stile. Die Premiere in den Kammerspielen wurde gefeiert – und überzeugte durch mitreißenden Schwung und wunderbare Homogenität.

Hauptelement der Bühne ist eine Reihe von Holzkästen, die anfangs zu einer Art Treppe gestapelt sind. Zunächst bespielen die neun Tänzer sie, schieben sich sitzend hinauf und wieder herab. Dann aber werden die Kisten umgeworfen, verschoben, gekippt, am Ende balanciert einer der Tänzer auf einer Kiste und hält zwei weitere und „tanzt“ mit ihnen. das ergibt eine schnelle Folge von wechselnden Szenen, Episoden einer Erzählung vom permanenten Aufbruch, die doch so punktgenau in das Ruhrgebiet passt.

Der Hip-Hop ist zurückgenommen, erscheint eher in akrobatischen Handstand- und Rotationseinlagen. Und natürlich die aus Popvideos übernommenen Momente von „Robot-Dancing“, von Gängen in der eckigen Motorik von Maschinen. Prägender ist der szenische Gestus, der sich in wiederholenden Abläufen niederschlägt: Wenn eine Tänzerin und ein Tänzer die Jacke ausziehen, mit den Zähnen halten, fallen lassen, wieder aufheben... ein Tänzer verschwindet hinter einer Kiste und lässt über der Kante nur noch die Finger tanzen, während gerade Klavier erklingt. Ein anderer Tänzer zeigt die erstaunliche Beweglichkeit seiner Bauchmuskulatur in einem Solo-Moment. Es darf gelacht werden.

Das ist weniger opulent, dafür aber auch konzentrierter als die letzten Bausch-Produktionen. Es ist frisch, schnell, auch poetisch. Und es zeigt, dass der Stil nicht mit der großen Choreografin gestorben ist.

27.9., 2., 9., 22., 29.10.,

Tel. 0234/33 33 55 55,

http://www.schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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