Malerei von Ulrich Erben im Museum Küppersmühle

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„Farben der Erinnerung“ (1989) nennt Ulrich Erben sein Gemälde (Acryl auf Leinwand), zu sehen in Duisburg. ▪

Von Annette Kiehl ▪ DUISBURG–Das Flirren der Sonne auf dem Sand, die Hitze und die Einsamkeit der syrischen Wüste hat Ulrich Erben in zwei Farben zusammengefasst: ein blasses Violett, umrahmt von einem warmen Beige. Das geometrisch als Rechteck aufgebaute Gemälde entwickelt in dieser einfachen Gestaltung ein Eigenleben. Die Farbkombination brennt sich als Ahnung von heißer Luft und blendender Sonne ins Gedächtnis ein. Aus größerer Entfernung betrachtet, scheint „Siria (6)“ zu vibrieren, fast unwirklich.

Mit dieser Wirkung steht das Bild stellvertretend für die Kunst von Ulrich Erben, die das Museum Küppersmühle in Duisburg in der Ausstellung „Lust und Kalkül“ vorstellt. Seine Werke konzentrieren sich auf die Kraft der Farbe und eröffnen durch die Balance der Töne eine meditative Stimmung. Sie erinnern an sinnliche Empfindungen, Gefühle oder eben auch an Landschaften.

Die Ausstellung ist die bislang größte Werkschau zu Ulrich Erben in Nordrhein-Westfalen. In den hohen, offenen Räumen der Küppersmühle kann man die Entwicklung des 1940 in Düsseldorf geborenen Künstlers nachvollziehen. Er gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der Farbfeldmalerei.

Seinen Ausgangspunkt hat Erben aber in der gegenständlichen Kunst. Umrisse von Landschaften, ein auf wenige Linien reduziertes Haus und ein Baum in den frühen Gemälden veranschaulichen dies. Eines Tages, 1968, konnte er diesen Stil selbst nicht mehr ertragen, erinnert sich der Künstler: „Das Motiv, von mir über Jahre als Basis benötigt, wurde mir plötzlich lästig, auch überflüssig.“ Mit weißen Bildern, die allein durch die Spuren des Farbauftrag und einen Rahmen strukturiert werden, bricht er demonstrativ mit seiner Vergangenheit.

Diese Werke, 1977 auf der documenta 6 ausgestellt, wirken in Duisburg als Seh-Schule. Was macht ein Bild interessant? Wie entwickelt es eine Ausstrahlung im Raum? Solche Fragen stellt Erben damals wie heute.

Das „Halogenobjekt“ von 1972 ist eine konsequente Weiterentwicklung der weißen Bilder: Ein weißer Gaze-Stoff ist in dieser Installation in einer Ecke des Raumes vor eine weiße Leinwand gespannt. Durch verschiedene Lichtquellen entsteht der Eindruck von drei schwebenden Quadraten in der Mitte des Stoffes. Diese Illusion zieht den Blick an und fasziniert – selbst wenn man bald erkennt, wie dieses Werk technisch funktioniert. Das Spiel mit optischen Eindrücken ist ganz wichtig in Erbens Werk, denn schließlich konzentriert sich der Künstler auf die Wahrnehmung von Farben und ihre Lichthaltigkeit.

Ihren Reiz und ihre Aura entwickeln die Bilder des Düsseldorfers gerade durch ihre Balance aus strenger Gestaltung und einer spürbar schöpferischen Freude. Immer wieder wird bei genauem Hinsehen deutlich, wie die Farbe den geometrischen Aufbau der Bilder durchbricht und ein Gegengewicht bildet: Verschiedene Schichten schimmern durch und geben der Leinwand eine Tiefe; sichtbare Pinselstriche führen das Auge und erden diese Kunst. „Lust und Kalkül“ – so fasst der Titel der Ausstellung die Spannung zusammen.

Erben setzt sich stets mit der Architektur auseinander, die seine Bilder umgibt. Dieses Interesse setzte er in der Küppersmühle ganz praktisch um, indem er – als ausgebildeter Freskenmaler – zwei Wände gestaltete. Auf Flächen von 60 und 24 Quadratmetern fasste er dabei mit verdünnter Chinatusche geometrische Formen ein. Die grau verwischte Farbe bildet so in „Silenzio“ einen Rahmen für einen Freiraum aus Weiß. Wie ein Fenster öffnet es den Blick für die Potenziale der Farbe.

Bis 29.1. 2012. mi 14 – 18, di – so 11 – 18 Uhr;

Tel.: 0203 / 301948; www.

museum-kueppersmuehle.de

Katalog 23 Euro.

Quelle: wa.de

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