Malerei von Ruprecht von Kaufmann in Liesborn

+
Gefahr lauert unter der Decke: Ruprecht von Kaufmanns Bild „Tengos Schrank“ (2012) ist in Liesborn zu sehen.

Von Marion Gay LIESBORN - Der Junge im gestreiften Schlafanzug kauert auf dem Stuhl und starrt in den geöffneten Kleiderschrank. Nebel wabert heraus, Papiere flattern in den Raum. Was der Junge nicht ahnt: Über ihm, unter der Decke, lauert bereits der Vampir. Die Arbeit „Tengos Schrank“ (2012) ist ein Bild wie aus einem Alptraum.

Unter dem Titel „carna[va]l“ präsentiert das Museum Abtei Liesborn rund 40 Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Ruprecht von Kaufmann. Die Bilder und Installationen stammen aus den letzten sechs Jahren und sind vor allem Leihgaben aus Privatsammlungen wie zum Beispiel der Sammlung SOR Rusche aus Oelde/Berlin. Das Museum in Liesborn kaufte im letzten Jahr eine Installation des Künstlers für die Kreuzsammlung an.

Von Kaufmanns meist gegenständliche Arbeiten sind düster und unheimlich und erinnern an surreale Graphic Novels. Naturgewalten spielen eine große Rolle. Das Meer beispielsweise. Wie bei der Mixed Media-Installation „Der Ozean“ (2012): Auf gebogenen Pappen schäumen die aufgemalten Wellen, durch die sich der Besucher hindurchbewegen kann. Unter der Decke baumelt ein Vogel-Mobile und wirft unruhige Schatten auf die Wand. Auf einer großen schwarzen Leinwand markieren weiße Linien Wellengang und eine Horizontlinie, über der sich die Linien spiegeln wie bedrohliche Himmelserscheinungen. Ein paar Räume weiter der „Schiffbrüchige“ (2012), eine zerfetzte Gestalt aus bemaltem Zeitungspapier, nur das Auge wirkt noch lebendig.

Der 1974 in München geborene von Kaufmann, der am Art Center College of Design in Pasadena/USA studierte, ist spezialisiert auf unheimliche Szenarien.

Oft ist es Nacht in seinen Bildern. „In der Nacht“ (2013) zeigt eine Art Geisterschiff mit einer bleichen Gestalt auf einem blassen Pferd. Außerdem sind an Bord ein Wal und ein verhülltes Etwas, am extrem schwarzen Himmel zerplatzt ein Stern, ein Ufo oder eine Kröte.

Beunruhigend auch das großformatige Gemälde „Das Atelier, 8 Jahre aus meinem Leben als Herr Lampe“ (2009). Das Zimmer, in dem der Hase im Lehnstuhl sitzt, entpuppt sich als Kulisse inmitten einer bleichen Schnee- oder Unterwasserlandschaft. Es gibt einen Mann ohne Kopf, ein totes Pferd, Affen umklammern ein Seil, ein riesiger Papagei sitzt auf dem Rücken eines Mannes. Und selbst auf kleinem Format mit reduzierten Elementen gelingen von Kaufmann Szenen voll Schrecken. „Tipping Point“ (2011) zeigt einen in der Kapuzenjacke versteckten Jungen auf der Stuhllehne sitzend. Die Füße mit den roten Socken fest auf dem Sitz, und doch ist es gefährlich wacklig, denn ein Stuhlbein fehlt.

Parallel bis 23. März ist im Studio des Museums die kleine Ausstellung „reziprok“ mit aktuellen Öl- und Acrylarbeiten des Warendorfer Malers Markus Maier zu sehen. Hier sind die Farben reziprok, also rückseitig, auf den Bildträger aufgebracht und schimmern hindurch, so dass auf der Leinwand das spiegelverkehrte Bild erscheint.

Bis 27.4.; di – fr 9 – 12 und 14 – 17, sa, so 14 – 17 Uhr

Tel. 02523/ 98 240

www.museum-abtei-liesborn.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare