Malerei von Norbert Frensch und Fotos von Laura Letinsky in Hagen

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Dies ist eine Metallschale: Norbert Frenschs Bild H 11-12, 2012, 40 x 50 cm, ist in Hagen zu sehen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HAGEN–Der erste Blick hat es schwer mit den Bildern von Norbert Frensch. Aus tiefem Schwarz schillern schlierige helle Streifen hervor. Dann erkennt man, was zu sehen ist: Eine einfache Schale aus hellem Metall. Nun entschlüsselt der Betrachter die genau gesetzten Lichthöhungen und Reflexe und Schatten, die bis ins feinste Detail erfasste Oberfläche. Norbert Frensch zwingt uns zum genauen Hinsehen, indem er sein Objekt nur teilweise aus dem Dunkel aufblitzen lässt. Sein Versteckspiel inszeniert er mit höchster malerischer Virtuosität.

50 Bilder des 1960 in Mainz geborenen, in Frankfurt lebenden Künstlers aus der Zeit zwischen 1990 bis 2012 sind von Samstag an im Hagener Osthaus Museum zu sehen. Eine weitere Werkgruppe zeigt das Museum DKM in Duisburg als Kooperation im Bereich der Ruhrkunstmuseen. Das Hagener Museum präsentiert parallel eine weitere Position des Stilllebens, Fotografien der kanadischen Künstlerin Laura Letinsky.

Frensch verbindet die Lasurtechnik der alten niederländischen Meister mit dem seriellen Ansatz zum Beispiel von Alexej Jawlensky. Seine Metallschale porträtiert er in verschiedensten Formaten, mal als kleines Andachtsbild, kaum größer als eine Postkarte, bis hin zum wandfüllenden Altarformat. Jedes Bild zeigt die Schale etwas anders, mit anderem Lichteinfall, mal fast nur grauschwarz, dann wieder mit leichten farblichen Tönungen. Die Strenge des Motivs, die Intensität, mit der in den Bildern die Energie des Lichts zelebriert wird, legt metaphysische Deutungen nahe. Museumsleiter Tayfun Belgin erklärt, dass es dem Künstler nicht um die malerische Beschwörung eines Grals oder um sakrale Überhöhung gehe. Thema dieser Bilder ist zuerst das Medium selbst, das Vexierspiel zwischen Gegenstand und Abstraktion. Der dünnflüssige Farbauftrag und die mehrfache Lasierung sorgen dafür, dass die Bilder spiegeln, was sie noch unnahbarer macht.

Frühe Arbeiten zeigen noch einen anderen Ansatz: Abstrakte Bildtafeln mit grobem Farbauftrag, weit entfernt von der aktuellen Feinmalerei. Zudem schuf Frensch eigens für die Hagener Ausstellung eine 15,80 Meter lange Wandarbeit aus seiner Serie der grauen Bilder, die lange Röhren zu zeigen scheinen. Außerdem sind fast monochrome Papierarbeiten ausgestellt.

Die Fotografien von Laura Letinsky sind ebenfalls an von niederländischen und italienischen Altmeistern inspiriert. Eine Aufnahme zeigt einen aufgebrochenen Granatapfel auf einem weißen Tisch, dazu Konfekt und zwei Gläser, vielleicht mit Wein. Der rotweiße Akkord deutet eine Geschichte an: Sehen wir hier die Reste eines erotischen Mahls? Der Granatapfel steht für Weiblichkeit und Fruchtbarkeit.

So komponiert die Künstlerin ihre Motive, erzählt wie barocke Maler von Vergänglichkeit, indem sie mit zerdrückten Limonadendosen, zerknittertem Plastik und Krümeln die Reste einer Mahlzeit zeigt. Auf einem Bild steht ein Glas am Rand einer abgeschrägten Tischfläche. Ihre Bilder sind beunruhigend weiß, und durch geschickt arrangierte Tischdecken, Papiertücher, Glasplatten täuscht sie den Betrachter über die tatsächliche Räumlichkeit. Bei ihren Manipulationen verzichtet sie auf digitale Eingriffe – was sie zeigt, war so vor der Kamera.

In neueren Arbeiten irritiert sie den Blick zusätzlich, indem sie Bildelemente als ausgeschnittene Fotos montiert und das Arrangement fotografiert.

Am schönsten freilich ist ihre Kunst im Minimalismus. Ein 70 cm hohes Bild zeigt eine Kirsche mit drei Stengeln, dazu ein paar Kerne. Kleine rötliche Punkte schwimmen im Weiß und füllen doch das Format.

Norbert Frensch und Laura Letinsky im Osthaus Museum Hagen.

12.8.–30.9., di – fr 10 – 17, do 13 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr, Tel. 02331/ 207 3138, http://www.osthausmuseum.de

Norbert Frensch im Museum DKM Duisburg, 10.8.–26.11., http://www.museum-dkm.de

Quelle: wa.de

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