Malerei von Kazuo Katase im Josef Albers Museum

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Kazuo Katase vor einem seiner Gemälde im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop ▪

Von Ralf Stiftel ▪ BOTTROP–Unverkennbar sehen wir eine Schale. Ganz ebenmäßig ruht sie vor unseren Augen, eine Halbkugel, von deren Öffnung unser Blick gerade einen schmalen Spalt erhascht. So satt und gleichmäßig das Rot auf diesem Gemälde auch wirkt, so fein modelliert ist die Farbe doch, dass die vollendete Illusion eines Körpers entsteht. Die rechte Seite scheint einen Hauch heller, ein kaum merklicher Schatten betont links das Volumen. Unten, wo das Objekt aufliegt, strahlt ein weißer Lichtfleck, wirft einen Helligkeitshof nach rechts.

In der Tat erscheint es überflüssig, dass Kazuo Katase seine Gemälde betitelt, heißt doch jedes „Schale“, mit dem Datum der Fertigstellung. Mehr als 20 dieser großformatigen Arbeiten hängen in der Ausstellung „Gegenwart“ im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop. Und jedes davon unterscheidet sich deutlich von den anderen. Die „Schale, 20.3.2012“ kommt wie ein durchgeschnittener Globus daher, prunkt mit Blautönen, auf die offenbar ein warmes, gelbes Licht fällt, was in der Mitte den Eindruck eines Kontinents im Meer erzeugt. Bei der „Schale, 9.12.2011“ changiert die Wandung von Orange nach Rosa. Ein grüner Nebel scheint mitten über dem Gefäß zu hängen, aber vielleicht ist das auch nur der Widerschein einer Lampe.

Katase malt diese Bilder mit der Hand, bringt die Pastellfarben ohne Pinsel auf die großen Bögen Büttenpapier. Langweilig werden seine Bilder nicht. Weil ihr Motiv immer gleich bleibt, konzentriert der Betrachter sich auf das Wesentliche: die Farbe. Katase sagt, dass er sie intuitiv wählt. Früher sei er unsicher gewesen, da habe er Zweifel gefühlt, da habe er sich eine solche Schlamperei nicht erlaubt. Jetzt aber sei er sicher. Man erschrickt, wenn der Künstler so lässig redet über seine so strengen Bilder.

Katase ist kein Unbekannter im Ruhrgebiet. So gestaltete er vor drei Jahren eine Brachfläche am Stadtrand von Bottrop mit drei Mauer-Skulpturen, dem „Lichtfossil“. Im Jahr der Kulturhauptstadt war er an mehreren Ausstellungen beteiligt, schuf eine Insel für die „Ruhr-Atolle“ („Frosch und Teemeister“) und beteiligte sich mit einer Arbeit an der Internationalen Biennale für Lichtkunst. Er stellte zudem bei der documenta 1992 in Kassel aus, wo er auch lebt. Und Heinz Liesbrock, Direktor des Albers-Museums, hat ihn schon 1994 eingeladen, im Westfälischen Kunstverein in Münster auszustellen. Katase wurde 1947 in Shizuoka geboren. In Japan absolvierte er eine klassische Kunstausbildung. Aber 1975 suchte er Veränderung, verließ seine Heimat und lernte in Europa andere Kunstformen kennen, schuf Installationen, Fotokunst, Skulpturen. Vor ungefähr drei Jahren besann er sich zurück auf die Malerei.

Der Künstler verbindet auf faszinierende Weise Kulturkreise. Einerseits arbeitet er mit Motiven des Zen-Buddhismus. Die Teeschale zum Beispiel, die er nicht nur malt, sondern auch als einen Meter durchmessende Skulptur verwendet und für eine Installation in die Schweizer Bergwelt platziert, steht für eine „erfüllte Leere“. In anderen Arbeiten bezieht er sich auf den Berg Fuji, in Bottrop hängen zwei Gemälde mit entsprechenden Darstellungen. Andererseits zitiert er Dichter und Denker wie Hegel, Heidegger, Hesse. Liesbrock sieht Anklänge an die Romantik in seinem Werk.

Katase bringt im Sinne der Zen-Tradition Gegensätze. Seine Gemälde von Teeschalen strahlen große Ruhe aus, aber er aktiviert auch die Farbe in ihnen. Der Lichtfleck unten an der Schale ist eigentlich ein Schatten – Katase malt viele Bilder sozusagen als Negative, bei denen Hell und Dunkel vertauscht sind. Auf einigen Bildern setzt er aber die Schatten in korrektem Dunkel. Die Konzentration auf ein Motiv teilt er mit Josef Albers, den er als Vorbild betrachtet. Wenn er von dem Bauhauskünstler spricht, adressiert er ihn als „Meister Albers“, ganz in der Zen-Tradition. Und wenn auch Katases Bildern etwas Meditatives eignet, so ist die Art, wie in ihnen die Wechselwirkung zwischen Farben ausprobiert wird, durchaus dem analytischen Konzept von Albers verwandt.

Einen Höhepunkt erreicht die Ausstellung im Oberlichtsaal, den Katase mit einer Skulptur, eigenen Gemälden, Werken von Josef Albers und drei No-Masken, Leihgaben des Museums Folkwang in Essen, gestaltet hat. Ein zurückgenommener Raum, der dem Einzelwerk erlaubt sich zu entfalten und der es doch in einen Dialog stellt mit den anderen. Und darin steht Katase, weise und leise, und sagt, dass er, mit Goethe zu sprechen, nun seine Lehrjahre und Wanderjahre absolviert habe und vielleicht selbst zum Meister gereift sei. Seine Bilder zeugen da für ihn.

Kazuo Katase: Gegenwart im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop. Bis 9.12., di – sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr, Tel. 02041/ 29 716,

http://www.quadrat-bottrop.de,

Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

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