Malerei von Karl Leipold auf Schloss Cappenberg

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Eine Malerei der Stimmungen: Karl Leipolds Bild „Melancholische Mühle“. ▪

Von Anke Schwarze ▪ CAPPENBERG–Karl Leipold hatte eine Vorliebe für Segelschiffe, Mühlen und die Kuppeln von Venedig. Das Faszinierende seiner Kunst liegt in den subtilen Spielarten, in denen Leipold diese wenigen Motive immer wieder neu inszenierte. Ihn interessierte die Stimmung des Lichts zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Licht bietet eine Fülle an Möglichkeiten auch bei einer überschaubaren Motivauswahl, wie die neue Ausstellung des Kreises Unna im Schloss Cappenberg zeigt. 130 Gemälde und Skizzen sprechen „Von der Farbe des Lichts“.

Mit Karl Leipold entdeckten Ausstellungskurator Thomas Hengstenberg und Kulturreferentin Sigrid Zielke einen fast vergessenen Künstler neu. Karl Leipold war ein Maler, der im ausgehenden 19. Jahrhundert Aufmerksamkeit mit seinen Seestücken erregte. Seine Vorliebe für Lichtstimmungen stellt den 1864 geborenen Maler in die Tradition des Postimpressionismus. Leipold starb 1943, seine Werke gerieten nach dem Krieg in Vergessenheit: Möglicherweise, weil sein Spätwerk mystische Züge trug, die den Nationalsozialisten gefielen. Leipolds gesellschaftlich indifferente Bildinhalte sagte den Machthabern offenbar zu. Andererseits gebe es, so Hengstenberg, in Leipolds Biografie keine Hinweise, dass dieser sich den Machthabern angedient habe. Vor allem Dank privaten Sammlern kann in Cappenberg eine größere Werkschau gezeigt werden.

Leipold studierte an den Kunstakademien in Düsseldorf und München, bildete sich auf Reisen nach England und Frankreich weiter. Die entscheidenden Impulse für seinen Stil fand er jedoch als Seemann auf Fischdampfern und Frachtseglern. Später konnte Leipold sich dank seiner Malerei ein eigenes Segelschiff leisten, mit dem er die Elbe, die Nord- und Ostsee befuhr. Ein Lieblingsmotiv wurde das ehemalige Zollhaus, das er sich an der Mündung von Elbe und Stör kaufte. Das Haus findet sich in seinen norddeutschen Motiven wieder, die einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden.

Die Landschaftsbilder fangen die verhangene, diesige Atmosphäre Norddeutschlands ein. Mühlen, Bäume oder Schiffe lassen sich oft nur schemenhaft, wie durch einen Nebel erahnen. Diese Gemälde zeigen Leipold als Meister der Farbe Grau in den verschiedensten farbigen Schattierungen und Hell-Dunkel-Abstufungen. Details reizen den Maler kaum. Nur selten finden sich klare Konturen in einer flüchtigen, unruhigen Linienführung. Stattdessen lässt Leipold das Menschenwerk durch malerische Auflösung mit der Umgebung, mit dem Land oder dem Meer, verschmelzen.

Eine reduzierte Farbpalette aus Grau- und Brauntönen macht auch die Segelschiffe auf Leipolds Seestücken zu einem Teil von Himmel und Meer. Das Licht bricht sich in unterschiedlicher Weise auf ruhiger, bewegter oder stürmischer See. Meist ist es ein weiches Licht, das an William Turner oder auch an Caspar David Friedrich erinnert. Dramatische Szenen sind nicht Leipolds Sache. Selbst dem raueren Seegang wohnt bei ihm ein poetisches Moment inne.

Ebenso poetisch wirken die Reiseimpressionen von Karl Leipold in der dritten Abteilung der Ausstellung. Besonders Venedig hat es dem Maler angetan. Schemenhaft erhebt sich die Lagune mit den charakteristischen Kuppeln vom Markusdom und von Santa Maria della Salute aus dem Dunst. In anderen Bildern zerfließen Farben und Formen ineinander. In den Venedig-Bildern bereichert Leipold die Grauschattierungen um Blau- und Gelbtöne. Hier und dort glitzert es hell und golden von den Mosaiken und Türmchen des Markusdoms. Den Effekt verstärken pastose Tupfer auf einem ansonsten durchscheinenden Farbauftrag.

Leipolds Technik, die Spielarten von Licht sichtbar zu machen, lässt in jedem Bild etwas Neues entdecken. Eine Bandbreite an Motiven braucht es da nicht.

Karl Leipold – Von der Farbe des Lichts auf Schloss Cappenberg. Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr; bis 20. 2.2011,

di – so 10 – 17 Uhr,

Tel. 02306/71170,

http://www.kreis-unna.de

Katalog 22 Euro

Quelle: wa.de

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