Malerei und Karikaturen von Horst Haitzinger in Lüdenscheid

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Horst Haitzingers „Paraphrase über Breugels Turmbau“ ist in Lüdenscheid zu sehen. ▪

Von Jutta Rudewig ▪ LÜDENSCHEID–Das Verfahren ähnelt dem von Regisseur Peter Jackson, als er J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ verfilmt hat. Als fantastisch kann man die Bilder beschreiben, die der Münchner Karikaturist Horst Haitzinger in den vergangenen zehn Jahren gemalt hat.

Die Motive scheinen wie ein Teil einer Welt, die es nicht gibt. Eine verwunschene Welt mit verschlungenen Pfaden, auf denen das Glück ebenso zuhause ist wie hier eine Schlange und dort ein Drache, die zeigen, wie endlich dieses Glück sein kann. In der „Paraphrase über Breugels Turmbau“ ragt das Schloss hoch hinauf in die Wolken, irgendwie abweisend und befremdlich, und aus seinem zerbröckelnden Innern erwächst ein neues Schloss in freundlicheren Farben mit Zinnen und Türmchen. Keinem Stil zuzuordnen, hier ein bisschen extravagantes Neuschwanstein, dort ein bisschen Burj Khalifa, jener Wolkenkratzer in Dubai, und beides aufgesetzt auf Pieter Bruegels 1563 entstandenen „Turmbau zu Babel“.

Die Wunschwelt eines Mannes, der sich oft genug mit der brutalen Realität auseinandersetzen muss, ist in der Städtischen Galerie in Lüdenscheid zu sehen. Der international renommierte Künstler zeigt dort elf großformatige Gemälde einschließlich aller Vorstudien. Dass Horst Haitzinger keine Ölbilder am Fließband malt, zeigt schon der erste Blick. Unendlich detailliert ist die Darstellung seiner verzauberten Welt. Stunden mag man davor verbringen, sie mit der Lupe betrachten und hat noch nicht alle Feinheiten entdeckt. Seit Jahren die Zerstörung der Umwelt anprangernd widmet sich der Künstler hier ganz der Natur und ihren Facetten. Ob es die Libelle mit ihren hauchzarten Flügeln ist oder das langsam im Wasser versinkende Herbstblatt – Haitzingers Gemälde bieten Raum für spannende Begegnungen zwischen der Darstellung des Unwirklichen, dem Symbolismus und der Magie.

Natürlich geht eine Haitzinger-Ausstellung nicht ohne Karikaturen. So wird die Präsentation der Gemälde flankiert von an die hundert colorierten und schwarzweißen Karikaturen, von denen die jüngsten noch in dieser Woche im bundesdeutschen Blätterwald abgedruckt waren. Der Brotberuf des Künstlers zwingt zum Schaffen: 14 000 Karikaturen lagern in München und dem Atelier des Künstlers in der ländlichen Idylle des Örtchens Öd in der Nähe von Schrobenhausen. Haitzinger wurde in Oberösterreich geboren, studierte zunächst Gebrauchsgrafik, anschließend Malerei und Grafik in München. Seit 1963 ist er freiberuflich tätig, seit 1968 Hauskarikaturist der Münchner „tz“. Seit vielen Jahren erscheinen seine Arbeiten auch in unserer Zeitung.

Erschwerend für den Aufbau der Ausstellung war übrigens der Mangel an verbindender Technik. Dem Künstler wird nachgesagt, dass er über kein elektronisches Postfach verfügt. Vielleicht bewahrt er sich auch dadurch ein Stück seiner Traumwelt, die sich erst beim genaueren Hinsehen öffnet.

22.2.– 5.5., mi – so 11 – 18 Uhr; Tel.: 02351/17 14 96

Quelle: wa.de

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