Malerei von Gotthard Graubner im Museum Quadrat Bottrop

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Die Aromen der Farben erkundet Gotthard Graubner: Das Triptychon „Zoom I, II, III“ ist in Bottrop zu sehen.

Von Ralf Stiftel ▪ BOTTROP–Es ist ein Dreiklang der Farben. Drei Quadrate, orange, grün, braun. Wobei man gar nicht sagen kann, was genau die Farbe ist bei jedem dieser Bilder, obwohl bestimmte Töne klar dominieren. Im Orange stecken Gelbwerte. Im Grün klingt soviel Blau mit, dass man auch von Türkis sprechen könnte. Das Braun schwingt zwischen Rot- und Erdtönen. Das liegt daran, dass die Bilder nicht monochrom gemalt sind, die Farbe scheint in sich zu schweben, zu wechseln, verdunkelt sich in wolkigen Partien.

Vielleicht muss man bei Gotthard Graubners Malerei ausweichen in andere Sinnesfelder. Wie Wein in sich viele Aromen trägt, so kann ein Orange in einem Bild von Graubner mit vielen Nuancen das Auge reizen. Und das ist das Wichtigste an seinen Bildern: Alles in ihnen wird durch Farbe ausgedrückt. Das Triptychon „Zoom I, II, III“ (1998/99) ist im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop zu sehen. Das Haus zeigt eine Werkschau mit 33 Arbeiten von den späten 1950er Jahren bis heute. Museumsdirektor Heinz Liesbrock hat die Schau mit dem Künstler in dessen Atelier zusammengestellt. Er zeige eine Auswahl „auf höchstem Niveau“, unterstreicht Liesbrock.

Mit der Ausstellung „Gotthard Graubner im Gespräch mit Josef Albers“ setzt das Museum eine Reihe fort, in der dem Hauspatron mit anderen Künstlern konfrontiert wird. Im Vergleich lässt sich dann erschließen, was moderne Malerei ausmacht, und man hat in Bottrop schon so unterschiedliche Positionen gesehen wie Giorgio Morandi, Agnes Martin, Ad Reinhardt. Die Messlatte liegt sehr hoch, was dem 81-jährigen Graubner bewusst ist. Als Stammgast hat er in den letzten Jahren das Quadrat regelmäßig besucht. Er hat fünf neue Bilder eigens für den zentralen Ausstellungsraum geschaffen, hat in mehrtägiger Arbeit an der Hängung mitgewirkt. Das Ergebnis ist eine leise, aber erneut sehr intensive Präsentation.

Die früheste Arbeit, „Schwebende Zeichen“ (1956/57), weist den 1930 im Vogtland geborenen Künstler als Nachfahren des Informel aus. Zwei vertikale Pinselzüge sind auf eine Fläche gesetzt, die wiederum auf einem helleren Grund steht. Und doch geht es hier nicht um die Malgeste, schon damals nimmt sich der Künstler zurück. Wichtiger scheint die Abstufung der Farbe von Blau zu ganz lichtem Rot, von Dunkel zu Hell. Darin ist er Albers verwandt, der oft Flächen übereinander schichtet, mal in verwandten Farbtönen, mal in kontrastierenden.

Während aber Albers’ Arbeiten der Fläche verhaftet bleiben, strebt Graubners Kunst in den Raum. Darum polstert er seit Jahren die Leinwand mit Watte aus, so dass die Bilder in den Raum vorstoßen. „Farbraumkörper“ nennt er das Verfahren. Die Bilder werden über einen längeren Zeitraum bearbeitet. Die Leinwand ist nicht grundiert, so dass die Farbe tief in das Bild eindringt. Immer wieder trägt Graubner neue Farbe auf, verflüssigt getrocknete Partien wieder mit Lösungsmitteln, bürstet und schrubbt, bis die Oberfläche die wolkige, unscharfe Erscheinung angenommen hat, bei der man keine Motive mehr erkennt, sondern nur Nuancen und Strömungen, Bewegung und Verdichtung.

Wer den Bildern auf den Rand schaut, erkennt, dass sie längst nicht nur einfarbig gemalt wurden, sondern dass Graubner schon einmal ein Gelb mit Rot und dann mit viel Blau übermalt hat wie in „nachtleuchten“ (1998). Wie viele andere Arbeiten ist dies ein Quadrat, ungefähr zwei mal zwei Meter groß, so dass das Auge es nicht mit einem Blick erfasst, sondern abschreiten muss. So schillert und flirrt die Farbe und scheint aus der Wand herauszutreten, vom Bildobjekt aus den Betrachter zu erfassen. Graubner aktiviert die Farbe.

Bei der relativ kleinen Arbeit „helena“ (1965) ist das noch anders. Unter dem bemalten Stoff steckt ein Kissen, so dass sich die Arbeit wie ein um 90 Grad gekippter Berg vorwölbt. Aber wenn man aus einiger Entfernung frontal auf die weiß und grau bemalte Arbeit blickt, nimmt man nur Fläche wahr, ein von einem Lichthof umgebenes graues Feld. Graubner betitelt seine Bilder und entfaltet zuweilen feinen Humor – das Profil von „helena“ wirkt irgendwie weiblich. Eine tiefrote Tafel heißt „rosa mystica“. Und eine rote Arbeit von 1982, die durch Wolkenformen stärker strukturiert ist, nannte er „vulcano d’amore“.

Die neuen Arbeiten sind reine Sinneserlebnisse. Graubner arbeitet zur Zeit mit sehr hellen Tönen. Das Triptychon „pra chan I, II, II“ (2011) spielt zwischen Weiß und Gelb. Die rechte Tafel hat einen Stich ins Grüne, die linke ist noch heller. An den angrenzenden Wänden hängen intensiv gelbe, noch etwas größere Tafeln, „Luceo“ betitelt. Im wechselnden Tageslicht scheinen diese Bilder zu leben, sie tränken das Bewusstsein mit Farbe, und man steht vor ihnen und wundert sich, als sähe man zum ersten Mal Gelb und Gelb und Gelb.

Bis 15.1.2012. di – sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr,

Tel. 02041/29 716,

http://www.quadrat-bottrop.de,

Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

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