Madonna zieht in Köln eine große Show ab

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Kesse Show: Madonna steht auf der Bühne der Lanxess-Arena in Köln und hat Unterstützung. ▪

Von Tim Griese ▪ KÖLN–Als Anfang der 1980er Jahre Madonnas Karriere begann und sie in der Folge für ihre Extravaganzen und skandalträchtigen Auftritte in obskuren Kostümen bekannt wurde, waren die meisten heutigen ihr nacheifernden Popstar-Größen wie etwa Lady Gaga oder Katy Perry noch gar nicht geboren. Damit diese ihr nicht den Rang ablaufen, setzt die 53-Jährige bei ihrem Tour-Stopp vor rund 15 000 Zuhörern in der Kölner Lanxess-Arena auf eine große Show.

Vier Stunden nach Einlass künden Mönche in roten Kutten mit Klostergesang Madonnas Ankunft an. Ein überdimensionales Weihrauchfass schwenkt über den Köpfen in den ersten Reihen. Ein riesiges Kreuz ziert den Bühnenhintergrund. Dann schwebt eine Sänfte herein, die Silhouette der Sängerin ist zu erkennen. Die Fans toben. Dann plötzlich steht sie vor ihnen: als schwarze verhüllte Königin mit Maschinengewehr im Anschlag.

Beim letzten Deutschland-Konzert ihrer Tour hat die Mutter aller Gagas die Gelegenheit, zu zeigen, wer die Chefin im Pop-Ring ist. Und ihre Show lässt so einige Münder offenstehen. Madonna weiß zu schocken, zu polarisieren: ob als weiblicher James Bond, der bei „Revolver“ schwerbewaffnet über den zu einem Dreieck verbundenen und in den Innenraum ragenden Steg schleicht, oder als Killer, der Ninja-Angreifer per Kopfschuss zum Song „Gang Bang“ erledigt und Blutfontänen auf die Leinwand spritzen lässt.

Es geht aber nicht nur düster zu auf der Bühne. Nach einer kurzen Umbauphase singt Madonna den ersten Klassiker des Abends. Bei „Express Yourself“ wird die Diva zum Drum Major, der mit Tambourstab eine Blaskapelle dirigiert. In die Halle hinein kommen die Musiker in schicken roten Uniformen und Hüten wie Marionetten zehn Meter über dem Hallenboden an Fäden hängend.

Ein derart großes Brimborium birgt die Gefahr, dass die Musik in den Hintergrund rückt und die Reizüberflutung dem Zuhörer ein Schnippchen schlägt. Glücklicherweise hat Madonna eine ausgesprochen eindrückliche Bühnenpräsenz. Die Fans hängen nicht nur an der ausgefeilten Show mit den vielen Effekten, sondern auch an ihren Lippen, auch wenn vor allem zu Beginn die Sound-Abmischung besser sein könnte. Der Gesang ist zu laut und kommt mitunter übersteuert aus den Boxen.

Heimlicher Höhepunkt des Konzerts ist neben der Ballade „Masterpiece“ die Trommelversion von „Open Your Heart“. „Wollt ihr einen Oldie?“ ruft Madonna und präsentiert die 1986er Single in neuem Gewand. Unterstützt wird sie dabei vom baskischen Trommel-Trio Kalakan, dessen Stück „Sagara Jo“ in die Nummer eingebaut wird. Darin geht es nicht nur ums Offensichtliche, dem Zerschmettern von Äpfeln. „Zerschmettert Vorurteile, Ignoranz und Diskriminierung!“ fordert die New Yorkerin.

Was die 53-Jährige für ihren Auftritt braucht, ist in erster Linie Kondition. Beachtlich, wie oft sie an einer Stelle im Boden verschwindet und in Windeseile an anderer wieder auftaucht, wie oft sie als Stuntfrau der Phantasialand-Show dieselbe stiehlt und wie oft sie sich verrenkt und über den Boden robbt.

Bei all dem Aufwand hätten es am Ende gerne mehr Hits in der Setlist sein können. „Vogue“, als Modenschau inszeniert, ist so einer und gehört zu den wenigen gespielten. Ebenso wie „Like a Prayer“ mit Nonnen-Chor oder die Walzer-Version von „Like a Virgin“ – eine der wenigen Stücke, bei denen die Sängerin nicht von ihrer rund zwanzigköpfigen Tanzcrew mit perfekt einstudierten Choreografien unterstützt wird.

Das Kontrastprogramm zu Beginn liefert Martin Solveig als Einheizer. Ganz alleine steht der DJ mit seinem Schweißstirnband hinter den Mischpulten und dreht und regelt sich durch die Dance-Charts, etwas Madonna und die eigene Nummer „Hello“. Damit verabschiedet er sich und begrüßt die „Königin“, wie er proklamiert. Darauf warten die Fans in den ersten Reihen schon sehr lange.

Quelle: wa.de

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