LWL-Museum für Archäologie in Herne zeigt die Gemälde von Hilm Böckmann

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Melancholisch-surreale Poesie: Hilm Böckmanns Bild „Venezianisches Fenster“ (1986) ist in Herne zu sehen.

Von Marion Gay HERNE - Der Pierrot lehnt am zerborstenen Fenster. Hinter den Trümmern spiegelt sich Venedig im Wasser, es sieht nach Gewitter aus. Hilm Böckmanns „Venezianisches Fenster“ (1986–87) ist ein Bild der Melancholie.

Das LWL-Museum für Archäologie in Herne zeigt rund 100 Werke des Münsteraner Künstlers zu seinem 80. Geburtstag. Zu sehen sind farbintensive Gemälde, aber auch Grafiken, Skizzenblätter und eine Skulptur. Die Arbeiten aus den Jahren 1950 bis 2013 lassen sich dem Magischen Realismus zuordnen.

Böckmann wurde 1961 nach dem Kunststudium wissenschaftlicher Grafiker im Museum für Archäologie (damals noch in Münster), wo er bis 1989 arbeitete. Die Themen der Archäologie beeinflussten sein Werk. So zeigt das Ölgemälde „Babylonischer Turmbau“ (1963) einen baumstumpfartigen Aufbau aus antiken Fassaden. Winzig klein am Horizont rauchen die Schornsteine eines modernen Kraftwerks.

Häufig versteckt Böckmann ironische Andeutungen in seinen detailgetreuen Bildern. Manchmal auch erotische Anspielungen wie im „Selbstbildnis mit Palette und Modell“ (1963): Der Daumen des Künstlers, durch eine Öffnung der Palette gereckt, sieht aus wie ein Penis, der auf die nackte Frau zeigt.

Böckmann war 1960 Mitbegründer der Münsteraner Künstlergruppe M60, die als erste deutsche Künstlervereinigung 1968 in Israel ausstellte. Zahlreiche Selbstbildnisse zeigen ihn nachdenklich. Besonders interessant „Mein geteiltes Ich (Metamorphose)“ von 1993, das auf Böckmanns zwei Berufe verweist. Zur einen Hälfte ist er Künstler mit Malkittel und Pinsel, zur anderen eine Maschine, die archäologische Fundstücke zeichnet. Der Balanceakt zwischen Sicherung des Lebensunterhalts und künstlerischer Freiheit.

Manche Bilder erinnern an Dalis Werke aus den 30er Jahren. Zum Beispiel „Fremder Strand“ (1968–69): Zwei Monde kreisen am blauen Nachthimmel, aus offenen Fenstern der antiken Ruinen flattern Vorhänge, zerbrochene Skulpturen liegen im Schmutz. Dazwischen immer wieder Schneckenhäuser und Fische, Symbole für Wandel und Wiederkehr, Unendlichkeit, Religion und Fruchtbarkeit. Im frühen Bild „Bahnhofsgelände“ (1958) drückt der trostlose Himmel auf Häuser und Schienen. Die Gleise verlieren sich am Horizont, die Stadt ist grau, alles wirkt leer. „Das Weltgericht“ (2010) zeigt, dass Böckmann seinen Themen treu geblieben ist: Eine verwüstete Landschaft, Ruinen und entwurzelte Bäume, durch eine zerrissene Leinwand betrachtet, die wie ein Fenster erscheint. Die Malerei als Blick auf die Welt, die Malerei als Ausblick. Und unter der Leinwand fließt Gift aus zerborstenen Fässern in die Erde. Biblische Apokalypse oder Zeitgeschehen?

Böckmann sieht sich als politischen Maler, der auf Aktuelles reagiert. So im Bild „Die Katastrophe/ Fukushima, der Tag danach“ (2011).

Bis 26.1., di – fr 9 – 17, do 9 – 19, sa, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02323/ 946 280 www.lwl-landesmuseum-herne.de

Katalog 17,90 Euro

Quelle: wa.de

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