Mit Lust, Können und Respekt: Axxis rocken die Discokugel

ALBUM-KRITIK: Axxis - reDISCOver(ed) (Phonotraxx/Soulfood): Mit einem witzigen Wortspiel auf einem überraschenden Album melden sich die westfälischen Hardrocker von Axxis zurück – und belegen, dass sich der Humor ihrer Liveauftritte auch im Studio reproduzieren lässt.

Denn von den 13 Songs auf „reDISCOver(ed)“, dem ersten Cover-Album der bald 30-jährigen Bandgeschichte, funktionieren die meisten dann richtig gut, wenn man ihnen dasselbe Augenzwinkern entgegenbringt, wie es die fünf Musiker mit viel Lust, Können und vor allem Respekt getan haben – wenngleich Sänger Bernhard Weiß das Album auch als eine Art politisches Statement gegen den generellen Werteverfall von Musik übers Netz und die häufige Bevorzugung von Coverbands in Liveclubs verstanden wissen möchte (mehr dazu siehe unten).

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Axxis werden auch 2012 weiter live zu sehen sein. Wo genau, steht HIER.

Dem Titel zum Trotz sind jedoch nicht nur echte Discokugelkracher vertreten: Ohnehin rockige Songs wie „I Was Made For Loving You“ (Kiss) oder „White Wedding“ (Billy Idol) kommen da fast schon allzu authentisch daher. Unerwartete Stücke wie „Ma Baker“ (Boney M.), „Roboter“ (Kraftwerk) und „Stayin' Alive“ (Bee Gees) aber, denen die Band mit ihren Fertigkeiten und Ideen ganz wunderbare (und gar nicht peinliche!) neue rockige Seiten abgewinnen kann, machen diesen "Makel" aber locker wett.

Tipp: Auf der nächsten Rock-Party einfach durchlaufen lassen: Es funktioniert!

Markus Hanneken

Lesenswertes Statement der Band zur Musikszene:

"Das neue Axxis-Coveralbum ist nicht nur eine Zeitreise in die großen Hits der 80er, sondern zugleich auch ein Zeitdokument gegen den Werteverfall in der Musikszene.

Erneut spaltet eine aktuelle Debatte über das Urheberrecht die Nation. Während Musiker beklagen, dass dank den Möglichkeiten des Internets zunehmend mehr Musik-Konsumenten in eine Umsonst-Mentalität verfallen und nicht mehr einsehen, warum sie für Musik Geld bezahlen sollen, schreit das Wahlwunder Piratenpartei auf: sie setzen Internet mit Freiheit gleich und eine Beschneidung, wie sie beispielsweise auch zum Schutz von Urheberrechten in Frage kommt, ist als Freiheitsbeschneidung des einzelnen zu sehen. Axxis-Frontmann Bernhard Weiss kennt beide Standpunkte – und reagiert mit einem Album: „reDISCOver(ed)“ ist ein reines Coveralbum von Klassikern aus den 80ern. Es erscheint über das bandeigene Label von Axxis und ist damit in vielerlei Hinsicht ein Paradebeispiel für die aktuelle Diskussion.

Bernhard Weiß und Harry Oellers, die Köpfe der Band.

Die Tracklist setzt sich aus zahlreichen absoluten Klassikern der Musikgeschichte zusammen wie beispielsweise „Roboter“ von Kraftwerk, „Stayin Alive“ von den Bee Gees, „Ma Baker“ von Boney M, „Life Is Life“ von Opus oder gar „My Heart Will Go On“ von Celine Dion. „Sie alle stammen aus einer Zeit, als Musik noch etwas Wert war“, so Bernhard Weiss. „Darum empfinden wir die Stücke auch als große und bedeutende Welthits. Wir alle haben uns von unserem Taschengeld die Platten gekauft und gerade weil wir dafür sparen mussten, erschienen sie uns als unglaublich wertvoll. Wenn man heute dann liest, dass diese Künstler mehrere Millionen Tonträger verkauft haben, empfinden wir Respekt. Dass diese Karriere heute kein Künstler mehr in der Form haben wird, weil keiner mehr Platten kauft, vergessen wir dabei.“ Innerhalb nur weniger Monate ist das Album im bandeigenen Studio von Axxis entstanden – da die Band derzeit ihre eigene Plattenfirma aufbaut und viele geschäftliche Aufgaben zu erledigen hat, ein großer Vorteil. Ein Vorteil, bei dem Bernhard Weiss so manches klar geworden ist. „Für ein Album mit selbst geschriebenen Songs hätten wir mindestens doppelt so lange gebraucht und natürlich auch insgesamt viel mehr Aufwand und Kreativität investieren müssen. Natürlich werden wir das wieder tun, weil wir nun mal eine Band sind, die eigene Songs schreibt. Und natürlich war Zeitersparnis jetzt auch nicht der Grund, dieses Album zu machen. Wir hatten einfach Bock darauf. Aber es zeigt uns das Prinzip, das viele Coverbands schon seit Jahren anwenden - müssen. Sie machen sich gar nicht mehr erst die Mühe, eigenes Material zu schreiben. Sie covern einfach und verdienen damit schneller und müheloser oft besseres Geld als Künstler, die noch selber Songwriting betreiben. Den meisten bleibt auch gar nichts anders übrig als diesen Weg einzuschlagen, weil sie mit ihren eigenen Songs gar nicht mehr überleben können. Weil sie keiner mehr kauft.“

Die Schuld sieht der Dortmunder Musiker dabei im Internet und seinen grenzenlosen Möglichkeiten – ohne es nun generell verurteilen zu wollen. „Ein Bildhauer, der seine Werke nicht online stellen kann, hat das Problem nicht. Er schafft ein Original und investiert darin ebensoviel Mühe und Kreativität wie ein Musiker, der ein Musikstück schreibt. Aber keiner käme auf die Idee, sein Werk klauen oder umsonst haben zu wollen. Weil man es nicht downloaden kann und jedem klar ist, dass man für das geschaffene Werk auch etwas bezahlen muss. Jedem ist klar, dass eine Skulptur auch einen Wert besitzt. Nur bei einem Musikstück ist das niemandem mehr klar. Es ist niemandem mehr Geld wert.“ Dabei kennt Bernhard Weiss beide Seiten. Er ist Musiker und zugleich Geschäftsmann und muss sich als Betreiber einer kleinen Plattenfirma selbst darüber Gedanken machen, wie man das Internet als PR-Plattform für junge Bands auch positiv nutzen kann. „Natürlich verbergen sich dahinter auch Chancen. Aber man muss einen verantwortungsvollen Umgang pflegen. Wie überall im Leben – Freiheit ist sicher das, wonach wir streben. Aber wenn die Konsequenz von Freiheit ein Werteverfall ist, muss ein Umdenken her. Ich glaube, was wir bräuchten, wäre so etwas wie ein System, das ökologisch, umsichtig und ethisch ist, uns aber zugleich auch vor dem Werteverfall schützt. Eine Öko-Diktatur.“ "

Quelle: wa.de

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