Literatur-Nobelpreis für Herta Müller

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Herta Müller bekommt den Literaturnobelpreis.

Stockholm - Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die deutsche Schriftstellerin Herta Müller. Das gab das schwedische Nobelpreiskomitee heute in Stockholm bekannt.

Zehn Jahre nach Günter Grass geht der Literatur-Nobelpreis wieder nach Deutschland: Die Schriftstellerin Herta Müller ist am Donnerstag mit der höchsten literarischen Auszeichnung der Welt ausgezeichnet worden. Das schwedische Nobelpreiskomitee erklärte, die in Rumänien geborene Müller habe “mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet.

Diese Deutschen haben den Nobelpreis gewonnen

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Sie ist die zehnte Deutsche, die den Literaturnobelpreis bekommt. Die Ehrung ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Der neue Roman Müllers, “Atemschaukel“, ist für den Deutschen Buchpreis nominiert, der am Montag vergeben wird. Er schildert das Schicksal in der Stalin-Zeit von Rumänien nach Russland deportierter Deutscher aus Siebenbürgen. Eine wesentliche Rolle in dem erst am 17. August erschienenen und von der Kritik hochgelobten Buch spielen Gespräche Herta Müllers mit dem aus Hermannstadt stammenden Lyriker Oskar Pastior. Der 2006 verstorbene Schriftsteller war 1968 aus Rumänien in die Bundesrepublik übergesiedelt. Anfang 1945 wurde er selbst als Angehöriger der deutschen Minderheit in ein Arbeitslager in der Sowjetunion zwangsdeportiert.

Würdigung des Falls des Kommunismus

Vor dem Hintergrund von Müllers Lebensgeschichte gilt die Ehrung auch als Würdigung des Falls des Kommunismus und der Regime im Osten Europas vor 20 Jahren. Die 56-Jährige wurde in Nitzkydorf im Banat in Rumänien geboren, wanderte aber 1987 noch zu Zeiten des kommunistischen Regimes aus. 1982 erschien ihr erstes Werk “Niederungen“. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die in einem deutschsprachigen Dorf in Rumänien spielen. Das Buch wurde in Rumänien zensiert, eine unzensierte Version wurde dann 1984 außer Landes geschmuggelt und erschien in Deutschland, wo es mit großem Interesse aufgenommen wurde.

Müllers Werke erschienen zuletzt im Hanser Verlag. Die Autorin “freut sich sehr, und wir freuen uns auch“, sagte die Sprecherin des Hanser Verlags, Leonie Obalski, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Bisher hat Hanser fünf Bücher Herta Müllers herausgebracht. Der Verlag werde nach Verleihung des Literatur-Nobelpreises aber nunmehr mit Sicherheit weitere Werke der Schriftstellerin herausbringen. Früher schrieb Müller für Rowohlt; dort zeigte man sich ebenfalls erfreut über die Ehrung: “Das freut uns natürlich für die Autorin. Wir haben sie sehr geschätzt“, sagte Pressesprecherin Ursula Steffens der AP.

Entscheidung nicht unbedingt zu erwarten

Die Entscheidung für Müller war nicht unbedingt zu erwarten. So hatte es zuvor in Stockholm geheißen, dass nach der Dominanz europäischer Schriftsteller in den vergangenen Jahren Autoren anderen Kontinente gute Chancen hätten: Philip Roth und Joyce Carol Oates aus den USA, Amos Oz aus Israel und der syrische Dichter Adonis wurden in Stockholm als Favoriten gehandelt. Der ständige Sekretär der entscheidenden Schwedischen Akademie, Peter Englund, hatte in dieser Woche mit Äußerungen in einem AP-Interview Aufsehen erregt, das Komitee sei zu eurozentrisch eingestellt. In den meisten Sprachregionen der Welt gebe es würdige Kandidaten und das gelte auch für Nord- und Südamerika, erklärte er.

Sein Vorgänger Horace Engdahl hatte im vergangenen Jahr den US-Autoren vorgeworfen, sie dächten zu insular und seien ihrer Massenkultur zu sehr verhaftet. Der Literaturnobelpreis 2008 ging an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clezio. Bislang wurden die Empfänger der Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie bekanntgegeben. Am Freitag folgt die Entscheidung über den Friedensnobelpreis. Jede Auszeichnung ist mit zehn Millionen Kronen (1,09 Millionen Euro) dotiert. Die Preisverleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

AP

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