Limp Bizkit in Oberhausen

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Gruß an die Fans: Fred Durst beim Limp-Bizkit-Konzert in Oberhausen. ▪

Von Tim Griese ▪ OBERHAUSEN–Es ist, als hätte Fred Durst „1999“ in eine Zeitmaschine getippt und sich, seine Band Limp Bizkit sowie die Oberhausener Arena um zwölf Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt.

Damals – die deutsche Crossover-Welle, die die H-Blockx und Guano Apes groß gemacht hatte, war abgeebbt – schwappte aus den USA die artverwandte Nu-Metal-Szene hinüber. Limp Bizkit wurden zur rappenden Ikone einer Bewegung, die ihre Halbwertszeit schnell erreichte. Nachdem es lange still um die Band aus Florida war, ist sie jetzt plötzlich wieder da. Alleine, Nu Metal ist alles andere als neu. Leicht rostig und scheppernd dröhnt das Stilmix-Gewitter dann auch aus den Boxen. Aber die Kappe strahlt noch immer leuchtend rot auf dem Haupt des mittlerweile 40-jährigen Sängers Fred Durst. Nicht verwunderlich also, dass der Auftritt in erster Linie nostalgischen Wert besitzt.

Allerdings beginnt das Konzert mit Songs vom jüngst in die Regale einsortierten Album „Gold Cobra“, das erste der Band seit sechs Jahren. Die Zuhörer zeigen sich textsicher und grölen Songs wie „Shotgun“, „Douche Bag“ und „Get a Life“, die sich nahtlos in Limp Bizkits Portfolio einreihen, im Chor mit.

Als Fred Durst danach ankündigt, in der Zeit zurückgehen zu wollen, erntet er Jubelstürme aus den Mündern rotmütziger Fans. Hits wie „Break Stuff“, „Nookie“ und „My Generation“ folgen. Zum Abschluss gibt es noch die Cover „Behind Blue Eyes“ und „Faith“ von George Michael, das die Band hasse, wie Durst erklärt. Hier machen sie eine Ausnahme.

Durst ist auch sonst gut zu den Fans, lobt das Publikum als „total verrückt“ und Deutschland als „zweites Zuhause“. Dass das alles ein wenig einstudiert wirkt, stört nicht. Die Zuneigung ist gegenseitig. Als der Sänger von der Bühne springt und das Bad in der Menge sucht, zeigt er sich als rappender Metal-Messias: Die Fans strömen in Scharen an die Balustrade, und unzählige Hände strecken sich ihm entgegen. Immer wieder predigt er, einfach nur Spaß zu haben, und fordert marktschreierisch kostenlose Schnitzel und Bier für alle. Dass er dem Publikum mit seiner linken, in einen Michael-Jackson-Gedächtnis-Handschuh gehüllten Hand andauernd den glitzernden Mittelfinger entgegenreckt, ist wohl eine kumpelhafte Geste, immerhin grüßen ihn Scharen auf die gleiche Weise zurück.

Der Band scheint beim Auftritt die Puste schneller auszugehen als der tobenden Menge im Innenraum. Während der Hallenboden unter Dauervibration steht, gönnen sich die Musiker regelmäßige Pausen. Sie verschwinden alle drei, vier Songs von der Bühne, die Spots erlöschen, und ein kleines Zwischenspiel erklingt aus den Boxen. Der Ententanz etwa, der Schlager „Moskau“ oder Harold Faltermeyers „Axel F“. Das ist anfangs vielleicht noch witzig – eine Polonaise zieht durch die Menge – spätestens das dritte Intermezzo kratzt aber an der Stimmung.

Die einzige Überraschung des Abends ist Wes Borlands Kostüm. Der Gitarrist, der wieder zum Stamm zählt, ist für seine Verkleidungen bekannt. Diesmal gibt er mit spitzem Hut, kreisrunden Leuchtaugen und flatterndem Gewand den dunklen Gitarren-Zauberer. Magisch ist die Limp-Bizkit-Show ansonsten kaum, eher routiniert und genauestens durchstrukturiert.

Das Publikum juckt es nicht. Es hat die wichtigen Limp-Bizkit-Songs gehört. Es hat Fred Durst hautnah erlebt. Und als das Licht die Arena schließlich erhellt, ist es vor allem wieder sicher in der Gegenwart angekommen.

Quelle: wa.de

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