Leslie Feist singt im Kölner E-Werk vor 2000 Besuchern

+
Nicht allein: Leslie Feist im Kölner E-Werk. ▪

Von Frank Zöllner ▪ KÖLNDas soll ein Rock-Konzert sein? Fast andächtig lauschen die über 2000 Besucher im ausverkauften E-Werk den Klängen von Leslie Feist. Geboten bekommen sie eine musikalische Bandbreite zwischen Rock, Folk, Singer/Songwritertum und Jazz – mal in einem warmherzigen, mal in einem hippieesken Ambiente. Selbst in den eruptiven Phasen des zweistündigen Auftrittes genießen die Fans die Darbietungen eher still als dass sie mittanzen.

Das macht stattdessen die Gitarre spielende Kanadierin. Die 36-Jährige, die nicht die Bühnenmitte für sich beansprucht, wird von einer ausdrucksstarken, dreiköpfigen Begleitband aus einem Multi-Instrumentalisten (an Bass, Trompete, Mundharmonika und Lochplatten-Spieldose), einem Schlagzeuger sowie einem Pianisten unterstützt. Mit „Undiscovered First” beginnt der Abend, ein von rauen Elementen durchzogener und kontrastreicher Song. Das folgende, ebenfalls sperrige „A Commotion” prägen erstmals die Mountain Man, ein wundervolles amerikanisches Folk-Gesangstrio, mit ihren hellen Stimmen. Sie sorgen später für klassisch schöne, hin und wieder sakrale Elemente oder schlagen auf Pauken ein. In der Kombination mit Feists klarer Stimme mit dem ausgeprägten Timbre ist das fast ein zusätzliches Instrument im ohnehin klanglichen Variantenreichtum.

Auch wenn es in „Graveyards” ein bisschen ruhiger wird, Feist ist nicht gekommen, um als brave junge Frau am Zupfinstrument Weisen über Liebe, Leiden und Vergänglichkeit zu präsentieren. Das hat die Sängerin auf ihrem aktuellen Album „Metals” mehr als nur angedeutet. Es war wie ein Neustart, der in der Abgeschiedenheit der kanadischen Natur und an der kalifornischen Pazifik-Küste vollzogen wurde. Lieder mit Kanten und Ecken, geprägt von stampfenden Rhythmen und dynamischen Ausbrüchen, sind dabei entstanden. Diese prägen auch den Abend in Köln und strotzen dennoch von eingängigen Melodienfolgen wie in „The Circle Married The Line” und „Comfort Me”. Diesen Song schrieb sie nach ihrem vorherigen Köln-Konzert, an das sie sich wegen eines heftigen Katers nicht mehr erinnern kann. Solche Geschichten geben ihr die Bodenhaftung zurück.

Noch vor ihrem Karriere-Durchbruch zählte Feist in ihrer damaligen Wahlheimat Berlin zum Umfeld der Electroclash-Punkerin Peaches und war Mitglied der Alternative-Band Broken Social Scene. Nach großem Erfolg war sie als Solo-Künstlerin die Wohlfühl-Sängerin mit Weichspülsound, auf die sich alle einigen konnten. Jetzt gibt es wie etwa im tollen „The Bad In Each Other” eine durchaus düstere Gangart – was ihr ausgezeichnet steht. Aber auch Elemente, in der das Publikum als Chor eingesetzt wird oder mit Handklatsch-Passagen Lieder untermalt. Es ist eine faszinierende musikalische und emotionale Bandbreite, in der immer wieder schräge Akkorde und harte Beats der Industrial-Anleihen durchbrechen, sowie schrille Gitarrenriffs eingebettet werden.

Später bei den Zugaben wird Feist dann wieder nur mit der Gitarre dastehen und „Mushaboom” und „Intuition” präsentieren – unterbrochen von einzelnen, anerkennenden Ausrufen. Da könnte man fast eine Stecknadel fallen hören. So zeigen sich auch die Fans der früheren Feist versöhnt.

Weiterer Termin: 21.8. Köln, Open Air am Tanzbrunnen

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare