Leon Polk Smith in Bochums „Situation Kunst“

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Rund und beschwingt: „On Happy Day“ (1972) von Leon Polk Smith, zu sehen in Bochum. ▪

Von Achim Lettmann ▪ BOCHUM–Hart und kontrastreich lässt Leon Polk Smith die Farben aneinander stoßen. Grün auf Schwarz, Weiß auf Rot und in einem geschwungenen Fluchtpunkt münden alle vier. „On Happy Day“ (1972) nennt er eine Arbeit aus drei ellipsenförmigen Flächen, die gegeneinander gesetzt sind. Das Verhältnis der Bildkörper wird durch gekrümmte Farbräume auf dem Malgrund bewegt, so dass „On Happy Day“ eine wohlige Irritation bietet: rund, leuchtend und kreisend. In der Bochumer Stiftung „Situation Kunst (für Max Imdahl“ ist derzeit eine Überblick-Ausstellung zu sehen: „Raumformen“.

Der US-Amerikaner Leon Polk Smith gilt als Initiator der Hard-Edge-Malerei, eine Stilrichtung der US-Moderne. Der abstrakte Expressionismus, die Pop Art und Minimal Art, die unter anderen von Künstlern wie Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Frank Stella entwickelt wurden, profilierten die westliche Kunstszene der 50/60er Jahre. Smith zählte dazu, mied aber die kunstbeflissene Öffentlichkeit. Er lebte seit 1944 überwiegend in New York und kam schrittweise zur Kunst. 1906 in einem Indianerterritorium (Chickasha, heute Oklahoma) geboren, arbeitete er als Bauarbeiter, Lehrer und studiert am Teachers College der Columbia Universität New York. Er reiste nach Europa und Mexiko.

Die Ausstellung in Bochum bietet Vorbilder zu Smiths Malerei: Josef Albers, Wladyslaw Strzeminski, und von Hans Arp ist „Horloge“ (Turmuhr) zu sehen. Bereits 1924 erhebt sich anstelle einer Leinwand bei Arp ein rundlicher Bildkörper. Das Tafelbild soll zum Shaped-Canvas werden, zur geformten Leinwand, wie sie in den 60er Jahren von Frank Stella, Kenneth Noland, Ellsworth Kelly und Leon Polk Smith weiter entwickelt wurde. Das Bild ist zum Ding an sich geworden und nicht zum Transportmittel für visuelle Konzepte.

„Constellation # 12 Purple Orange Streak“ (1973) ist so ein zweiteiliges Shaped Canvas. Hier zieht sich die harte Farbgrenze zwischen Orange und Schwarz über beide Bildkörper und vergrößert damit die Bildinnenstruktur in eine weitere Gedankendimension. Der Betrachter ist bei Leon Polk Smith gefragt. Der erste Eindruck, den seine Kunst vermittelt, ist oft einfach, fast entmutigend schlicht. Aber wer vor Bildern verweilt, wie „Blue Bend“ (1961), der wird sich fragen, welche Fläche dominiert. Ist es Schwarz oder Blau? Letztlich findet sich eine Balance, eine Gleichberechtigung, die für Smith auch eine politische Bedeutung hatte. Da er von Indianern abstammte, kannte er die Randlage in der US-Gesellschaft. Zeitlebens setzte er sich für benachteiligte Menschen ein.

Auf das Raummotiv im abstrakten Bild hatte ihn ein Verkaufskatalog gebracht, in dem schematische Darstellungen von Basket- und Tennisbällen abgebildet waren. Das Gemälde „Nowata“ (1956) macht Smiths Erklärung bildhaft. Aussagen, woher er allerdings seine Farben nahm, gebe es nicht, sagt Maria Schulte von der Stiftung. Wahrscheinlich führe die Farbwahl auf indianische Gebrauchskunst zurück, die vor allem in leuchtenden Farben und abstrakt ausgeführt sei, so Schulte.

Die Schau in Bochum ist eine Chance, das nuancenreiche Werk von Leon Polk Smith (1906-96) kennenzulernen. Der Künstler ist in allen großen US-Sammlungen vertreten, aber in Deutschland so noch nie gezeigt worden: in 22 Bildern.

Bis 4. September; mi-fr 14-18 Uhr, sa/so 12-18 Uhr; Katalog 9,95 Euro; Führungen am Museumstag, 15. Mai, ab 14 Uhr; http://www.situation-kunst.deORTSMARKE

Quelle: wa.de

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