Laut und hart: Lemmy Kilmister mit Motörhead

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Immer noch der böse Mann: Bassist Lemmy Kilmister von Motörhead in Düsseldorf. ▪

Von Tim Griese ▪ DÜSSELDORF–Lemmy Kilmister ist unverkennbar, nicht nur äußerlich, aber vor allem stimmlich. Der Sänger und Bassists der britischen Hardrocker Motörhead ist mit seinem Leben nicht immer sorgsam umgegangen. Das hört man mit jedem Ton, den er heiser ins Mikrofon röhrt. Der Brite ist eine Rock-‘n‘-Roll-Ikone und auch mit 65 Jahren noch regelmäßig auf Tour. Dabei muss er nicht viel machen, um die Metal-Fans, die sich an die Bühnenabsperrung drängen, zum Ausrasten zu bringen. Auch nicht in der brechend gefüllten Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle. Ein kurzer Blick und die ersten Zeilen des Openers „Bomber“ reichen da völlig.

Lemmy Kilmister, Hutfetischist, Bartträger, die Coolness in Person, läuft nicht über die Bühne und macht die große Show. Das überlässt der 65-Jährige dem Gitarristen Phil Campbell. Der ist mal auf der einen Seite der Bühne zu finden, mal auf der anderen und demonstriert am Bühnenrand, wie gut er mit seinem Instrument umgehen kann. Lemmy steht im Hintergrund und tritt nur hin und wieder einen Meter zur Seite, um sich ganz und gar seinem Bass zu widmen und ins Publikum zu deuten. Große Gesten: Fehlanzeige.

Den Chef-Einpeitscher mimt Schlagzeuger Mikkey Dee. Der sitzt hinter seinem Trommelgestell zentral auf einem Podest erhöht, springt gerne auf und gestikuliert wild ins Publikum mit der Aufforderung noch mehr Krach zu machen.

Lemmy setzt derweil auf Understatement. „Jetzt kommt ein Song von unserer neuen Platte ‚The Wörld Is Yours‘“, sagt er und deutet auf ein Banner mit dem passenden Schriftzug hin, so als ob er Werbung für seine Scheiben machen müsste. Muss er natürlich nicht: An den Reaktionen in der Halle gemessen, wird jeder der Zuhörer das Album längst zu Hause haben.

Zwanzig Langspielplatten haben die Londoner seit 1977 veröffentlicht. Da kann man schon mal durcheinander kommen. „Dieses Stück ist vom Album 1916“, erklärt Lemmy an der anderer Stelle. „Es ist von 1990 oder so, glaube ich.“ Phil Campbell pflichtet ihm bei. „Das könnte gut sein. Vielleicht auch 1992.“ Richtige Antwort: 1991. Aber egal.

Statt auf Worte, setzen Motörhead auf Musik: Neben jüngerem Material fehlen natürlich auch nicht die Klassiker – das rasante „Overkill“ von 1979 etwa, das erst ganz zum Schluss rausgehauen wird, der 1986er Stampfer „Orgasmatron“, der im grünen Bühnenlicht Gruselstimmung verbreitet, oder „Killed by Death“ (1984), bei dem Ex-Guns-n‘-Roses-Bassist Duff McKagan, der mit seiner Band Loaded den Anheizer gab, zur Unterstützung auf die Bühne kommt. Klarer Höhepunkt ist natürlich „Ace of Spades“. Da stehen stolz ergraute Heavy-Metal-Fans in mit Aufnähern übersäten Jeanswesten in der Menge die Tränen in den Augen, wird Luftschlagzeug gespielt und immer wieder die Faust nach vorne gereckt.

Bevor er von der Bühne geht, gibt sich Lemmy Kilmister  noch einmal in Untertreibung: „Vergesst uns nicht“, brummt er, als sei das gerade der Auftritt einer Schülerband gewesen. „Wir sind Motörhead. Und wir spielen Rock ‘n‘ Roll.“ Die Menge tobt. Wissen doch alle.

Quelle: wa.de

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