Kylie Minogue: Pompöse Show in Oberhausen

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Kylie Minogue in Oberhausen ▪

OBERHAUSEN–Ein Konzert von Kylie Minogue ist wie der Besuch im Freizeitpark. Es gibt Karussells, Fantasiewesen und muskelbepackte Showsoldaten. Für zwei Stunden hat Kylie Minogue am Freitag 7000 Fans in der Arena Oberhausen in eine quietschbunte Revuewelt der Reizüberflutung entführt. Von Andreas Sträter ▪

Die Bühne zu ihrer Welttournee „Aphrodite – Les Folies“ sieht aus, als hätten die Konzertmacher ein Stück des berühmten Las-Vegas-Hotels „Cesar‘s Palace“ in Oberhausen aufgebaut: Spätrömische Dekadenz mit Wasserbecken, mächtigen Säulen und Freitreppen. In einem goldenen Venusmuschelthron wird Kylie zu „Fever“ auf die Bühne gepumpt. Dieses Fieber wird den ganzen Abend nicht vergehen, dazu schlagen immerzu stampfende Diskobeats durch den Arenahimmel. Im Zentrum wird dabei eine zierliche Frau von muskulösen Jünglingen und ebenso knapp bekleideten Halbgöttinnen umtanzt.

Zur Kreischorgie des Liedes „Wow“ huschen goldene Gladiatoren über die Bühne; dann steigt Kylie aus einem Plastik-Pegasus. Ihre Schleppe flattert im Maschinenwind, Harfen schrauben sich aus dem Boden. Der erste Akt schließt mit einer wilden Fahrt in einem römischen Streitwagen, der von vier Show-Sklaven mit Ledergeschirr gezogen wird. Das Publikum jubelt, klatscht, singt mit. Im ausgestellten Rock wippt sie später zu „What Do I Have To Do“ über zwei Catwalks, die mit einer vorgelagerten Bühne ein Dreieck bilden, in dem sich die so genannte „Splash Zone“ befindet. 250 Euro kosten hier die Tickets.

Zu den ersten Tönen des Songs „Beautiful“ spazieren Fantasiewesen über die Laufstege. Dann kommen Männer im Anzug, die aussehen, als wäre ihnen entlang der Wirbelsäule ein pinkfarbener Hahnenkamm gewachsen. Den legen die Jungs bald ab, und Kylie inszeniert sich zu „Slow“ als Aphrodite. Während sie die Nummer lasziv swingend vorträgt, räkeln sich Tänzerinnen und spielen mit den Hahnenfedern. Der Bühnenausschnitt ist eine Drehscheibe und erhebt sich im rechten Winkel zur Hauptbühne. In der Achse steht Kylie und beendet das Lied in einem ultraharten Trance-Gewitter. Auch die Scheinwerfer zucken zum Wechsel des Musikstils im Donnergroll. Dann taucht zu „Looking For An Angel“ ein dunkelhäutiger Engel mit Riesenflügeln auf und nimmt Kylie Minogue mit auf einen Flug durch den Hallenhimmel. Über ihren Fans singt sie „Closer“, um dann zu pumpenden Beats eine stürmisch bejubelte Coverversion des Eurythmics-Hits „There Must Be An Angel“ zu singen. Der metallische Klang ihrer Stimme ist mitreißend.

Irgendwann spricht die australische Göttin zu ihren Fans: „Welchen Song wollt ihr hören?“ Die Masse wünscht sich – wie in Berlin, Leipzig, München und Mannheim – „Your Disco Needs You“. „Ihr Deutschen liebt diesen Song“, sagt die 42 Jahre alte Sängerin und trägt die Stampf-Nummer etwas reduzierter vor, als sie die Fans kennen. Dann holt sie noch zwei Fans auf die Bühne, gibt Autogramme, bekommt Rosen in Plastik – und einen lustigen Hut. Selbst den Clown mimt Kylie in ihrem kunterbunten Spaß-Land, in dem alles nach kindlicher Unbekümmertheit aussieht. Dabei stehen im Zentrum dieser Las-Vegas-Show eine präzise Choreografie und ein Bühnenbild mit sieben Aufzügen und 600 Lichtquellen, das über 20 Millionen Euro gekostet haben soll.

Erst zur Zugabe zeigt die Bühne, was in ihr steckt. Wasserfontänen spritzen im Takt des Songs „On A Night Like This“ und machen die Menschen in der besagten „Splash Zone“ nass. Zu „All The Lovers“ geht es dann auf einen menschlichen Brunnen mit Muskeln und nackter Haut. An Seilen steigen Tänzer aus dem Nass. Unter ihnen rotiert eine Scheibe, die sich öffnet und wie eine menschliche Hochzeitstorte aussieht. Kylie thront wie die süße Kirsche auf der Torte – ein wenig überzuckert.

Quelle: wa.de

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