Kurzfilmtage in Oberhausen mit 490 Filmen

OBERHAUSEN – „Wir sind die erste Wahl“, sagt Hilke Doering. Sie ist für die Reihe „Internationaler Wettbewerb“ zuständig und weiß, dass Kurzfilmemacher ihre neuen Arbeiten am liebsten auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen zeigen: als Festivalweltpremiere. Ein Drittel aller Filme, die im Internationalen Wettbewerb um Preise (24 000 Euro) antreten, sind Festival-Starter. 64 Filme werden gezeigt. Von Achim Lettmann

Die 56. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen finden vom 29. April bis 4. Mai statt. Insgesamt sollen 490 Filme projiziert werden, das sind 60 weniger als im Jahr 2009. 5418 Filme waren eingereicht worden. Die Zahl ist rückläufig, und das ist gewollt. „Der Zugang wird reguliert, aber wir sind dabei noch liberal im Vergleich mit anderen Festivals“, sagt Lars Henrik Gass. Für den Festivalleiter findet vor allem auf den Plattformen im Internet eine „Überflutung mit Bewegtbildern“ statt. „Wichtig ist, dass Festivals Qualitätsstandards setzen“, sagt Gass. Die Kurzfilmtage haben in diesem Jahr allein 145 Filme aus 40 Ländern. 2009 waren es 132 Filme aus 36 Ländern. So international ist kein anderes Festival. Von jedem Kontinent kommen kurze Filme nach Oberhausen. In den letzten Jahren halte das Festival Kontakt zu 20 Mitarbeitern weltweit, die qualitätvolle Filme vorschlagen, sagt Gass. Und der Andrang ist groß. In der Reihe „Open Screening“ laufen rund 30 Filme, die per Internet den Zugang erhalten haben. Eine halbe Stunde nachdem die Anmeldung freigeschaltet wurde, waren die Plätze auch schon ausgebucht.

Hohe Standards setzen die Kurzfilmtage auch für den Deutschen Kurzfilm. Nach wie vor gilt, die meisten Filme kommen aus Berlin. Diesmal sind es elf unter den 28 im Deutschen Wettbewerb. Vier sind aus NRW dabei. Hier überwiegen recht kurze Formate, wobei in der Reihe „NRW-Wettbewerb“ ein anderer Trend auffällt. Carsten Spicher, für beide Wettbewerbe verantwortlich, glaubt, dass der Spielfilm unter den kurzen Filmen (bis 45 Minuten) mehr Zuspruch erfährt. Gerade im „NRW-Wettbewerb“ dominiere die klassisch erzählte Geschichte. „Wellenreiter“ von Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler (10 Min.) ist ein Beispiel dafür. Zwei Arbeitslose versuchen sich als Eisverkäufer am Strand. Ihr Chef fordert, Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Wirtschaftsgrundsatz wird lakonisch und spöttisch inszeniert. Und am Ende siegt mal nicht das Geld.

Als Trend macht Spicher auch eine neue Liebe zum 35mm-Format aus. Trotz Video und Digitaltechnik versuchen immer mehr Filmemacher das klassische Kinomaterial einzusetzen. Oft scheitert es aber am Geld.

Auch ein Thema in Oberhausen. Die Stadt hat ihren kommunalen Zuschuss um ein Prozent erhöht. Das Festival kann mit 658 948 Euro rechnen. „Da die Mittel in der Filmförderung überproportional gesunken sind“, sagt Lars Henrik Gass, „ist das ein Erfolg.“ Das Land NRW steuert 330 000 Euro bei und erreicht damit wieder die Höhe einer Fördersumme, die vor zehn Jahren ausgezahlt wurde. Auch das Auswärtige Amt in Berlin bleibt bei seiner Unterstützung. „Eine parteiübergreifende Initiative hat es möglich gemacht“, sagt Gass und ist erleichert.

So kann Oberhausen auch wieder den MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo (5500 Euro) vergeben. Der kommerzielle Clip wird hier nicht abgespult. Klaus Lemke zum Bespiel zeigt mit „Andere Leute“ (3.30 Min.) Gesichter aus der Unterhaltungsbranche.

Ein Novum wird das Festivalthema „Vom Meeresgrund: Das Experiment Film 1898-1918“. Farbfilme sind aus einer Zeit zu sehen, als es Hollywood noch nicht gab und die Bilder laufen lernten.

Quelle: wa.de

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